Review

Nicht mögen unmöglich


Der exotische (hier asiatische) Flair eines „Coco“ oder „Baymax“, da heute schon lange nicht mehr nur an den US-Kassen Kohle gemacht wird. Ein süßes „Monster“ wie der hauseigene Ohnezahn. Musikalische Zwischentöne wie bei „Kubo“. Eine weibliche, toughe Heldin, wenn auch keine Disneyprinzessin. Ein grantiger Alter Opa wie in „Up“. Und das beliebte Yeti-Thema wie schon in letzter Zeit in „Small Foot“ oder „Missing Link“. All das sind Komponenten, die der neue DreamWorks-Animationsspass „Abominable“ aka „Everest“ in sich trägt, leicht und clever variiert, nicht neu erfindet. Ist das schlimm? Nicht wirklich. Denn wie in der Musik kann auch mit bekannten Noten und Akkorden noch immer Tolles, ja sogar manchmal Magisches entstehen. Und selbst wenn ich das bunte Abenteuer nicht vollends magisch nennen und loben würde, passt es zum Thema - denn es geht um einen richtig süßen, knuddeligen Yeti (mit speziellen Fähigkeiten!), den ein kleines Mädchen eines Tages auf ihrem Dach findet. Und da sie spätestens seit dem Tod ihres Vaters eh von einer Reise quer durch China träumt, sich von ihrer Mutter und Oma immer mehr entfernt, versucht sie ihn nach Hause zu bringen und vor einer gierigen Organisation zu beschützen...

Der namensgebende, flauschige Yeti bietet sich perfekt für Merch an und die übernommenen, oben angeschnittenen Punkte bisheriger Animationshits könnte man als sehr kritisch lesen. Doch am Ende wird es glaube ich kaum jemanden geben, der bei dieser aufregenden „Flucht“ durch China nicht zufrieden, glücklich und vielleicht sogar ein wenig rührselig im Kinosessel sitzt. Egal ob alt oder jung, egal ob Animationsfan oder nicht, egal ob hier im Westen oder auf dem asiatischen Markt, den Hollywood ja schon länger immer mehr für sich entdeckt, bedient und auch mit dortigen Firmen, wie hier, kooperiert. „Abominable“ ist alles andere als abstoßend oder hässlich, ganz im Gegenteil. Die „geigigen“ und „coldplay'ischen“ Einlagen zaubern schnell eine Gänsehaut auf den Arm, selbst wenn ich gerne auch die „Your Own Way“-Version aus dem Trailer gehört hätte. Die Qualität der Animationen ist beachtlich, wenn auch nicht top notch ala Pixar. Die finale Aussage ist sehr familiär und, ich kann mich nur wiederholen, der Yeti mit den großen Zähnen ist einfach wunderschön, sichtbar weich, sehr verspielt und naiv, auch erstaunlich lustig, herzlich und teilweise dann doch wirklich zauberhaft. Ein paar mehr Augenzwinkern und Andeutungen für Erwachsene hätte ich mir allerdings schon gewünscht. Und vielleicht ein wenig mehr Mut zu echten Gefahren und Verlusten. 

Fazit: ein angenehmes Best Of und ein knuffiger Yeti, ein emotionaler Score und optisch genug atemberaubende Momente - „Abominable“ ist einer der besseren Animationsfilme des Jahres, selbst wenn für den ganz großen Erfolg und bleibende Kraft zu viele Elemente wiederverwendet werden, alles sehr safe und kinderfreundlich runtergespielt wird. Hiervon reicht mir ein (schönes) Abenteuer, da muss kein Franchise entstehen. Berührt hat es mich trotzdem. Ein bisschen. 

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