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Daughter of the Wolf (Kurz und schmerzlos Teil 45)


Sicher mischt die holde Weiblichkeit schon seit geraumer Zeit auch ganz gehörig die Männerdomäne Actionkino auf. Und das keineswegs ausschließlich im schicken Heroenkostüm. Aber ganz ehrlich, so richtig badass im wahrsten Sinn ist das nur sehr selten. Immerhin gibt es da noch Gina Carano. Die Ex-MMA-Fighterin ist eine Kreuzung aus Arnold, Chuck, Steven und The Rock. Bei ihr bekommt man wirklich Angst um die männlichen Sparringspartner. 
Seit Steven Soderbergh sich traute die Schauspiel-Novizin ins kalte Wasser zu schmeissen (Haywire, 2011), ist der Actionfilm um eine Attraktion reicher. Sie mag keine große Mimin sein - ein „Manko“, das sie übrigens mit all  ihren prominenten und weniger prominenten männlichen Kollegen teilt -, aber sie hat Charisma. Und das nicht zu knapp. Aktuell u.a. zu bewundern in Disneys Star Wars-Streaminghit The Mandalorian, in dem sie dem Titelhelden beinahe die Schau stiehlt. Davor durften schon Modell-Alphas wie Dom Toretos Raserbande und Marvel-Rüpel Deadpool unliebsame Bekanntschaft mit der hieb- und trittfesten Gina machen.

Abseits der Hochglanz-Produktionen wird sie aber auch immer wieder im vermeintlich schnöden B-Sektor gesichtet. Das soll absolut keine Kritik sein, ganz im Gegenteil. Hier können Film und Rolle exakt auf ihre speziellen Fähigkeiten zugeschnitten werden. So etwas nennt man dann einen lupenreinen Genrestar und außer Kollege Jason Statham gibt es da aktuell niemand, der die entsprechenden Kriterien auch nur annähernd erfüllen würde. Schon der kostengünstige Reißer  In the blood (2014) war ein deutlicher Fingerzeig, dass Carano in simpel gestrickten Revenge-Geschichten bestens funktioniert. Daughter of the Wolf tauscht lediglich das karibische Setting gegen eine verschneite Gebirgswelt sowie einen entführten Gatten gegen einen entführten Sohn und schon darf Gina rot sehen.

Bei einem geschätzten $ 20 Budget kann man natürlich keinen zweiten Cliffhanger erwarten (schon eher ein Pendant zu Jason Momoas Wintertrip Braven), aber die eisige Winterkulisse sorgt auch hier für ordentlich Drohpotential. Nach einem knalligen Actionauftakt bei dem Soldatin Claire Hamilton per SUV, Schrotflinte und High-Kick die erste Welle der Kidnapper gleich mal so richtig aufmischt, wird die ganze Chose mehr und mehr zum Survival-Thriller. Action im eigentlichen Sinn gibt es erst wieder im Finale, aber diverse Einlagen wie Wasserlöcher, Wolfsattacken und Klippenstürze sorgen für genug Abwechslung. Das Tempo könnte höher sein, Carano den ein oder anderen Kampf mehr ausfechten müssen, aber als eng geschnürtes DTV-Paket ist Daughter of the Wolf bestimmt keine Mogelpackung. Aus Richard Dreyfuss Part als Backwood-Kidnapper hätte man aber schon etwas mehr rausholen dürfen.

Fazit:
Genretypischer B-Reißer in eisiger Winterkulisse, der ganz auf die Qualitäten seiner Hauptdarstellerin Gina Carano zugeschnitten ist. Dass die beste Actionsequenz gleich zu Beginn verballert wird, ist etwas unglücklich, aber Setting und Charisma der Hauptdarstellerin bringen den mit Survivalmotiven angereicherten Rache-Thriller sicher übers Glatteis.     

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