Review

Als J. P. Johnson kurbelte Jess Franco (eigentlich Jesus Franco Manera) dieses kleine Juwel des kunstvollen Schmuddelfilms herunter. Der Film heißt in Deutschland "Entfesselte Begierde" und ist als "Female Vampire" bereits uncut auf DVD erschienen.

Francos überaus hübsche Lebensgefährtin Lina Romay *seufz* spielt die Rolle der stummen Gräfin Irina Karnstein (!) - wer eine gesunde Halbbildung besitzt, weiß worauf Franco hier in seiner Liebe für lesbische Vampire anspielt - die den grauenvollen Monologen des Films nach seit Jahrtausenden als blutgieriger Sexvampir über die Erde wandelt. Bereits nach den wundervollen Credits (Romay stößt versehentlich mit dem Kinn an die Kamera, was Franco offenbar für nicht rausschneidenswert befunden hat) sehen wir die gefährliche Schönheit in spärlicher Lederbekleidung mit einem jungen Mann flirten, der nacheinander Samen, Blut, Penis und Leben lassen muss. Franco selbst spielt den Gelehrten, der der Polizei unter die Arme greift und Vampirismusstudien empfiehlt. Er ist es auch, der die Vampirin vernichten will - freilich bleibt er (ganz Franco) bloß als Voyeur hinter einer Tür stehen und schaut ihr beim wonnigen Ertrinken in einer mit Blut gefüllten Badewanne zu. Zu diesem befreienden Freitod verleitete sie die Liebe zu einem sie liebenden Poeten (der wundervolle Jack Taylor) in Verbindung mit dem Einwirken überirdischer Mächte.

Die Handlung in Francos unterhaltsamer Schmuddelschnulze ist natürlich nur ein Grund, möglichst viele Sexszenen zwischen Romay und diversen Frauen und Männern abdrehen zu können - und die man sowohl in einer harmlosen Softpornovariante und einer etwas expliziteren Hardcorevariante betrachten kann. Was den Film so kurzweilig werden lässt ist der einschmeichelnde Soundtrack in Verbindung mit dem angestrengten aber nur bedingt gelungenen Versuch Francos den Film möglichst poetisch wirken zu lassen. Zu diesem Zweck filmt er unerträgliche lange Autofahrten ab bei denen sein Interesse scheinbar nur auf der interessanten Kühlerfigur liegt, inszeniert nichtssagende Monologe die in ihrer Weitschweifigkeit kein Ende nehmen wollen und setzt ganz und gar auf den Charme der hübschen Lina Romay.

In diese Poesieschiene wird der Film auch durch den deutschen Trailer gedrängt: "Ein Film, an dem man sich noch lange erinnern wird" wird das Werk dort genannt, das weiterhin ein großer Erfolg auf den Filmfestspielen in Cannes gewesen sein soll... "Wer ist diese Frau, dass Männer und Frauen ihr Leben dafür geben um mit ihr zu schlafen?" und "Gibt es wirklich diese geflügelten Wesen die in allen großen Mythen und Religionen dieser Welt anzutreffen sind?" haucht ein begeisterter Erzähler und vergisst darauf hinzuweisen, dass der Film eigentlich keine dieser Fragen wirklich beantwortet.

Qualitativ (und zeitlich) schwebt der Film irgendwo zwischen Francos früheren, noch recht ambitionierten Arbeiten und den späteren, schlichten Sex- und Pornofilmen. Und obwohl die Poesie des Films ein fragwürdiges Vergnügen ist und einige langatmige Szenen enthalten sind, kann dieser eigenwillige Film durch seinen charmant inszenierten Schmuddeltouch zumindest den Kuriositätenliebhaber überzeugen.
Gute 5/10

Details
Ähnliche Filme