Review

Gesamtbesprechung

Prestigeprojekt aus HK, einer der letztjährig gesetzten Serien für den sogenannten Third Line-up, das die Zeitschiene von 21:30h bis 22:30h und dies wöchentlich von Montag bis Freitag auf dem Sender TVB Jade umfasst. Das Polizei- und Actiondrama Flying Tiger dabei als insgesamt fünfte Serie in der Planung, wobei zuvor u.a. die Weiterführung des Familiendramas Heart and Greed und die Adaption von Infernal Affairs im Rahmen stand, während Succession War im Anschluss folgte und man dort in die Phase des historischen Epos ging. Flying Tiger selber als mit (anfänglich) enormen Aufwand, der nicht ungewöhnlichen Episodenlistung auf insgesamt 30 festen Folgen und einer ganzen Schar dem Fernsehzuschauer begrifflich populärer Darsteller belegt, wobei die Messlatte auch selber im eigenen produzierenden Hause hoch ist und die Erwartungen ähnlich gravitätisch gesetzt:

Während einer ursprünglich würdevollen Präsentation zu Ehren des Senior Superintendent Ko Yat-tai [ Hugo Ng ] wird die öffentlich abgehaltene Veranstaltung in Form von Bombendrohungen und auch tatsächlichen Explosionen gesprengt, Ko sogar vorübergehend als Geisel genommen und nur durch das beherzte Eingreifen der SDU unter Führung von Chief Inspector Liu Cheuk-fung [ Eddie Cheung ] und einem seiner besten Männer, Sergeant Ko Ka-long [ Bosco Wong ] mit einem finalen Rettungsschuss wieder befreit. Der ursprünglich für die Sicherheit der Veranstaltung verantwortliche Superintendent Lip Yu-hong [ Michael Miu ] vom Organized Crime and Triad Bureau zieht entsprechend des Desasters seine Konsequenzen und nimmt die gesamte Verantwortung auf sich, wird aber ebenso wie sein Assistant Inspector Ko Ka-chung [ Ron Ng ] bald wieder gebraucht, da ganz HK von weiteren Gewalteruptionen heimgesucht wird. Vor allem werden auffällig viele in die Triaden eingeschleuste Undercover-Cops entdeckt und beseitigt, wobei gerade der Drogenhändler Coke [ Stanley Cheung ] so viele Störfaktoren beseitigt und dabei durch den Neuankömmling Kenny [ Oscar Leung ] und dessen Hintermänner Lo Man-la [ Christine Ng ] und Stone Lo Kwok-bun [ Hugo Wong ] mit hilfreichen Informationen versorgt wird. Als dabei auch Lius Bruder Wong Wing-yin [ Joel Chan ] samt dem kleinen Sohn in das Visier der Kriminellen geraten, wird die Angelegenheit persönlich.  

Von der Anlage her folgt man nicht nur mehreren traditionellen Filmen, sondern eben auch Publikumserfolgen der kleineren Kategorie, sprich der Dimension der Mattscheibe und der dortigen Herkunft stammend, wobei gerade auch lokal die Beliebtheit der eigenen Erzählungen mit den eigenen lokalen Schauspielern im Gegensatz zur Kinoprogrammierung und da v.a. im Kontrapunkt zum chinesischen Einfluss ungebrochen hoch ist. Eine Rückkehr und auch ein Rückzug auf die einheimischen Tugenden, die der  und auch der Nostalgie anheimfallen und wo die Zeit angehalten und bewahrt vor der überschwappenden Dominanz vom Festland wird. Jedem Tierchen sein Pläsierchen quasi, was hier in der Anlage und der Ausgestaltung stark erinnernd v.a. an das zuvor beliebte Tiger Cubs I & II (2012/14) und auch dessen versuchten Nachzügler Sniper Standoff (2013) sowie in der Undercoverplotte besonders Line Walker (2016) samt Prequel (2017) und Ruse of Engagement (2014) (sowie der vergleichsweise alte, gar namentlich erwähnte The Final Option, 1994) als Quelle zu zählen ist.

Getragen von den Erfolgen dort, dessen jeweiligen Darsteller man de facto 'entliehen' hat, dem Back-up durch das Shaw Brothers Studio und einem Budget von insgesamt 17 Mio. USD wird hier zumindest von Beginn an und zu Beginn mehr geklotzt als gekleckert, gerade auch die Wahl der Darsteller und ihre Positionierung innerhalb des Geschehens, die Zeitfolge der Ereignisse, die nahezu 30 Jahre und damit eine Rückkehr bis nach 1989 umfasst, und auch die Präsentation a) innerhalb der tatsächlich wie prosperierend und gleichzeitig konservierend eingefangenen Stadt und b) der Tugenden wie Loyalität, Pflichtgefühl, Ehre, Familiensinn, Disziplin usw. drängen auf eine Saga mit verschiedenen Unterpunkten und Einflüssen hin. Eine personell, familiär, thematisch und chronologisch breit aufgestellte Konstellation, die sich vordergründig dem ewigen Kampf zwischen dem Gesetz auf der einen Seite und den Gesetzesbrechern auf der anderen bedient und diesen auch durchaus in Augenschein nimmt, aber den Weg dahin nicht bloß über die Actionszenen hinweg, sondern natürlich den Dialogen, den Konflikten und den Lösungen nimmt.

So sind allein die Figuren und ihre hier jeweilige Personifikation von Start weg bekanntes Terrain, jeder auf den ersten Blick mehr oder minder einschätzbar und v.a. auch zuordbar, was der anfangs wuselnden Aufstellung und ihre Vorstellung auch per Dienstgrad, Funktion, und Namen ein wenig die Komplikation nimmt; zudem wird das Anschlagsszenario als Ausgangspunkt für die Hatz gesetzt und die Bombenattentate entsprechend mit aufmerksamkeitsheischenden Vorlauf und der Kulmination in ihrer verheerenden Wirkung platziert. HK selber zeigt sich auch von der besten Seite, mit strahlend blauen Himmel und breiten Panoramaansichten, ein Postkartenblick wie aus besseren Zeiten, wo kein Wölkchen den Himmel und keine Politik von draußen die Probleme der Menschen hier drinnen trübt.

Auffälliger noch als in den anderen Serienbeispielen dominieren hier zu Beginn zumindest die Männer, das Patriarchat, sowohl in der älteren Generation als auch in der nachwachsenden, so dass es auch nur Verbindung und Konflikte entsprechend unter diesen gibt und es in weiten Teilen eine rein maskuline Veranstaltung, inkl. den großen Reden, dem Training mit freien Oberkörper oder auch entsprechende Dusch- und Umziehszenen, des Gebaren mit körperlichen Drohungen und auch Umsetzungen dieser und eben das Austragen physischer oder privater Auseinandersetzungen, mit der Frau vielleicht als besseres Anhängsel (die besorgte Mutter, die Schwester oder Freundin, die Untergebene usw.) gibt. Zudem wird auch jedem der 'Jungdarsteller' mindestens ein, bestenfalls zwei ältere Führungspersonen, der "Sifu", verwandtschaftlich im Sinne des Vaters oder eben beruflich und als Ersatzvater der jeweilige Führungsoffizier zugeteilt, so dass reihum eine Identifikation für den Zuschauer und eine Person zum Ansprechen von Monolog und Dialog vorhanden ist; gerade in den Sprechszenen und den später sowieso vorherrschenden ruhigen Momenten kommt auch das leicht sterile Gefühl des Fernsehens vermehrt durch, das Aseptische, die Wiederholung von schon zigfach und manchmal auch gerade vor wenigen Minuten Gesagten. Während in den Außenlagen (wie der Hennessy Road etc.) die Herkunft zwar auch nicht zu leugnen ist, aber die Inszenierung selber (wie einer kurzen, aber wilden Polizeirazzia samt Schießerei am Kwun Tong Ferry Bus Terminus, einer Prügelei plus Verfolgungsjagd im Straßenbahnnetz von Sheung Wan, Autokarambolagen auf der Mody Rd zwischen dem Tsim Sha Tsui Center und dem The Royal Garden Hotel) oftmals erstaunlich kinetisch und von dem (früher auch für das Bloodshed-Kino der Neunziger tätige) Regietrio Raymond Lee, Cha Chuen-yee und Gordon Lee sowieso höchst kompetent ist.

Leider verflacht die gesamte Erzählung ab der Klärung des ersten Handlungsstranges, etwa ab Folge 12, und das spürbar bis komplett, wird die ganze Produktion wie aus Geldmangel deutlich heruntergefahren und fast nur noch emotional wie in einer getragenen Soap und auch so verbalisiert, und man braucht auch eine ganze Weile und mehrere Versuche und Umläufe, dem ersten Erzählstrang noch eine Variation dessen folgen zu lassen, die die Personen (teilweise gar mit den gleichen dramaturgischen Ausreden) noch einmal von vorne involviert.

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