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Unzählige Reportagen und Dokus zeigen den Alltag deutscher Gesetzeshüter, die etwa auf der Autobahn, an Grenzen oder sozialen Brennpunkten unterwegs sind. Ähnlich mutet das Schema vorliegenden Polizeifilms an, der eine Nachtschicht zweier unterschiedlicher Cops bebildert. Das wirkt einige Zeit recht fahrig, bis im letzten Drittel ein paar Geschütze zuviel aufgefahren werden.

Polizei Los Angeles, Bezirk Olympia: Officer Nick Holland (Luke Kleintank) tritt seine erste Nachtschicht an und wird dem erfahrenen Kollegen Ray Mandel (Thomas Jane) zugeteilt, der bereits seit 25 Jahren im Dienst ist. Neben routinierten Einsätzen kommen sie der Spur von zwei flüchtigen Cop-Killern gefährlich nahe…

Jene Cop-Killer werden bereits in den ersten Sekunden eingeführt, - zwei Maskierte, die ohne Rücksicht auf Verluste herumballern, danach jedoch nahezu komplett in der Versenkung verschwinden. Denn im Mittelpunkt steht fortan das ungleiche Gespann Routinier und Greenhorn, die sich die meiste Zeit im Dienstwagen unterhalten und natürlich sehr unterschiedliche Haltungen hinsichtlich Moral, Dienstvorschriften, Ideale und Gewissen mitbringen. Da kommen durchaus einige Klischees zusammen, - die regelmäßigen Anrufe von Nicks schwangerer Freundin bringen das Fass beinahe zum Überlaufen.

Anderweitig schwanken die Einsätze zwischen unspektakulären Belanglosigkeiten, einem spannenden Intermezzo mit grauen Schafen aus den eigenen Reihen und arg konstruierten Begebenheiten gegen Ende, die deutlich über dem liegen, was ein Streifenpolizist in LA in einer durchschnittlichen Nacht erleben dürfte. Dazu passt auch die dramaturgische Steigerung: Je später der Abend, umso gefährlicher das Klientel.

Durch die ruhige Erzählweise erhält der Stoff beinahe einen dokumentarischen Anstrich, den die beiden Hauptdarsteller hervorragend transportieren. Thomas Jane wirkt in seiner Aufmachung (schmaler Oberlippenbart, anrasierte Seiten) wie ein Cop kurz vor der Pension, dem man die jahrelangen Erfahrungen und den latenten Missmut jederzeit abnimmt. Kleintank verkauft sich als Anfänger ebenfalls glaubhaft, zumal seine Figur in regelmäßigen Abständen für seine Ideale einsteht und nicht nur brav im Hintergrund agiert.

Wer handfeste Action oder andere Schauwerte sucht, wird hier definitiv nicht fündig. Eher beschreibt Autor und Regisseur Joel Souza eine Charakterstudie, die einige Zeit vor sich hin dümpelt, um in der zweiten Hälfte ein wenig deutlicher auf Konfrontationskurs zu wechseln.
Trotz einiger Klischees und manch konstruierter Begebenheit kein uninteressanter Cop-Film.
6 von 10

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