Larry Clark ist ein Provokateur aus Leidenschaft. Das fing schon bei "Kids" an, bei dem Clark sich nicht davor scheute, die Kids der "unteren Schichten" von Amerika mit ihren Sexproblemen abzulichten. Aber auch all seine anderen Filme sollen hauptsächlich mit Provokation auf die Probleme der Kids von heute aufmerksam machen. Höhepunkt dürfte dabei der nun vor kurzem erschienene "Ken Park" sein, in dem Clark sich nun nicht mehr davor scheut, seine Figuren beim Sex in HC-Manier zu filmen. Doch wo man bei "Kids" noch irgendwo eine Message erkennen konnte, so ist "Ken Park" leider nur noch ein recht inhaltloses, langweiliges und ziemlich gedrückt provokantes Stück Kino.
Was "Ken Park" nämlich leider vollkommen fehlt ist eine brauchbare Geschichte. Eher wirkt das ganze Treiben wie ein schnell zusammengeschustertes Werk aus dialoglastigen, nichtssagenden Szenen und der ein oder anderen Provokation. Der Titelgebende Ken Park taucht z. Bsp. nur mal kurz am Anfang und kurz am Ende auf, dazwischen wird er vollkommen außer Acht gelassen. Die Beziehung seiner vier Freunde wird zu keinem Zeitpunkt unterstrichen oder begründet, jeder wird einzeln "porträtiert", ohne das man auch nur den geringsten Zusammenhang zwischen den einzelnen Figuren erkennen kann, außer das es ihnen allen wirklich dreckig geht und Sex anscheinend der einzige Ausweg aus ihrem Leiden ist. Nur in der vorletzten Szenen treffen drei von ihnen aufeinander, doch in diesem Moment wirkt das Ganze nur noch gedrückt, so als müsse man diese drei unbedingt noch in irgendeiner Szene zusammen zeigen, da man dies ja im Verlaufe des Films doch etwas zu stark außen vor gelassen hat.
In den meisten Szenen besteht der Film dabei aus Dialogen. Ja einer wahren Dialogflut muss man hier Stand halten. Schade nur, dass diese Dialoge im Großen und Ganzen eher stelzig als sinnvoll wirken und zumeist keinerlei Aussage besitzen. Zwar merkt man hier und da schon, das uns Regisseur Larry Clark irgend etwas vermitteln will, doch im Grunde bleiben die meisten Szenen einfach nur langweilend und ermüdend, ohne auch nur den geringsten Sinn zu enthalten, auser eben der gewollten Provokation.
Und auch diese heftig diskutierten Provokationen stellen im Endeffekt nur einen Selbstzweck da. Da wird man u.a. dazu gezwungen einem Jungen dabei zuzusehen, wie er sich einen, bis zur Ejakulation, "runterholt", ohne zu erfahren, warum man das jetzt eigentlich sehen musste. Genauso sinnlos stellt sich u.a. auch die Szene da, in der wir Clarks Vater dabei zusehen müssen, wie er sein, mittlerweile vom Körper in Urin verwandeltes Bier, minutenlang ich in seine Toilette entleert.
Versteht mich nicht falsch! Ich bin in keinster Weise Prüde, doch wenn ich mir gerade solche Szenen ansehen soll, dann möchte ich schon irgendeinen plausiblen Grund dafür finden können, doch der ist hier einfach nicht vorhanden. Nur gestellte, meist sinnlose und ermüdende Provokation, ohne erkennbare und zufriedenstellende Antwort auf die Frage "Warum eigentlich?"!
Darstellermäßig hat sich Larry Clark dafür wieder auf unbekannte Gesichter gestürzt, die ihre Sache allerdings allesamt recht gut machen. Nur Amanda Plummer ("Pulp Fiction"), Wade Williams ("Ali") und Bill Fagerbakke ("The Stand") dürften dem ein oder anderen bekannt sein. Aber auch sie schaffen es, dem Film wenigstens etwas von der Tiefe verleihen, die man sonst leider durchgehend vermisst.
Fazit: Larry Clarks neustes Werk ist unterm Strich nur ein recht mäßiger Versuch, durch Provokation auf die Probleme der Kids von heute aufmerksam zu machen. Anstatt sich auf die Film-Geschichte zu konzentrieren und seinen Figuren eine nötige Tiefe zu verleihen, hat er sich leider nur auf ausufernde Dialoge und dröge Provokationen verlassen und verfehlt damit sein eigentliches Ziel um Längen. Ein zwar mutiges, aber eben vollkommen nichts sagendes Stück Film, dass man sich, zwecks der sehr guten Darsteller, zwar trotzdem mal anschauen kann, aber von dem man am besten so gut wie nichts erwarten sollte!
Wertung: 5/10 Punkte