"Kann ich dich lecken?" fragt nach etwa einer Viertelstunde des Films der junge Shawn die Mutter seiner Freundin. Allein an diesem Zitat lässt sich ablesen, dass "Ken Park" kein harmloser Teenie-Einheitsbrei oder humorvolles Adoleszenzkino ist, sondern ein schockierend entlarvendes Generation-X-Sittengemälde.
Erzählt wird die Geschichte einer Jugendclique. Hinter der behüteten Fassade geht es allerdings heftig zur Sache:
ACHTUNG: HIER WIRD VIEL VERRATEN...
Der Kiffer Claude soll durch Bestrebungen seines Vaters zu einem "richtigen Mann" gemacht werden, was darin gipfelt, dass der besoffene Vater eines Abends kapituliert und sich ins Bett seines Sohnes kuschelt...
Das Mädchen Peaches leidet auch unter ihrem Vater, allerdings aufgrund seiner streng-religiösen Ansichten. Als er eines Tages sie und ihren Freund im Bett erwischt, gibt das natürlich auch Konfliktpotenzial...
Dann gibt es da noch den wütenden Tate, der seine Großeltern nicht leiden kann, da diese seine Privatssphäre nicht achten und beim Scrabble bescheißen. Also sticht er sie ab. Zuvor wird noch gezeigt, wie er sich stranguliert und sich nebenbei zu stöhnenden Tennisspielerinnen einen runterholt...
Shawn hingegen hat eine hübsche Freundin, kann es allerdings nicht lassen, ein Verhältnis sexueller Art mit deren Mutter einzugehen. Detailliert werden deren Liebesspiele gezeigt (für amerikanische Verhältnisse sehr freizügig)...
Und schließlich Ken Park, der keine Perspektive mehr in seinem (Skater-)Leben sieht, da seine Freundin schwanger ist. So zeichnet er seinen Suizid auf der Skaterbahn mit einer Videokamera auf...
AB HIER NICHT MEHR...
Angesichts des trostlosen Lebens im Städtchen Visalia kein Wunder, dass jeder etwas austickt. Ken Park heißt rückwärts gelesen "Krap nek", also "nur Scheiße im Kopf", was wohl alle oben genannte Personen betrifft.
Die aufgewühlte Stimmung des Films wird durch die schwirrend warme Atmosphäre noch weiter angeheizt. Aber das macht den Sittenverfall der Jugendlichen noch glaubhafter.
Die Welt der Gefühle in dem Film wirkt genau so verkrüppelt und abgeartet wie Tates dreibeiniger Hund. Und in dieser Welt gibt es auch nur Katastrophen, weil diese ja regelrecht heraufbeschworen werden. Der einzige Ausweg aus diesem (aus Sicht der Jugendlichen) trost- und perspektivlosen Kaff-Leben ist nun mal der Tod oder Sex, der zumindest vergessen lässt.
VORSICHT: HIER DAS ENDE !!!
Und so wirkt die Szene am Ende des Films, als Claude Shawn und Peaches nach dem Sex über Ken Park nachdenken passend: in ihrer Oberflächlichkeit haben sie nicht seine Probleme oder überhaupt ihn selbst beachtet und können sich kaum an ihn erinnern. So fällt Ken Parks Darstellung am Ende relativ dürftig aus.
ZUM FILM SELBST:
Angesichts seiner provokanten Problematik ist die Story etwas zur Nebensache geworden und der Film wird etwas zu aufgesetzt skandalträchtig, da überladen. Allerdings überzeugen die Laiendarsteller mit ihrem Spiel. Bei der Selbstverständlichkeit, mit der sie ihre Tabu-Themen anpacken bleibt dem Zuschauer das Essen im Halse stecken. Obwohl "Ken park" den Sittenverfall von Jugendliche auch glaubhaft nachzeichnet, bleibt der Verdacht, dass Regisseur Larry Clark primär auf einen Skandalfilm aus war. und so sind dann auch die Sexszenen und die überschäumende Gewalt im Film reif für den Index.
Dennoch finde ich den Film gelungen, da er dem ausgelutschten Genre der Teeniefilme eine neue Seite abgewinnen kann.
Daher 7 von 10 Punkten.