Na, wenn da mal nicht wieder einer sinnlos provozieren will?! Skandalregisseur Larry Clark meldet sich zurück, und diesesmal will er es seinem Publikum so richtig fett unter die Nase reiben. Anders wie bei seinem recht gut gelungenen Film "Bully" bemüht er sich allerdings diesesmal nicht, eine interessante Geschichte zu erzählen, sondern einfach nur darum, soviele Abartigkeiten wie möglich in einen abendfüllenden Streifen zu packen.
"Ken Park" nimmt das Schicksal diverser amerikanischer Teenager unter die Lupe, die meisten davon begeisterte Skater. Da wäre zum Beispiel der sensible Claude, der von seinem streitsüchtigen und alkoholabhängigen Vater regelmäßig geschlagen und missbraucht wird. Weiterhin treffen wir auf Tate, der neben einem Riesenhass auf seine Großeltern auch noch ein krankhaft verkorkstes Sexualleben aufweisen kann. Dritte im Bund ist die hübsche Peaches, dessen streng religiöser Vater ihr jede sexuelle Beziehung verbietet. Die Liste ist fortsetzbar...
Während es Clark in seinem letzten Film exzellent schaffte, eine Gruppe von interessanten und individuellen Charakteren ins Leben zu rufen, und dessen Ängste und Gefühle wiederzuspiegeln, versagt er auf diesem Level bei "Ken Park" leider total. Die Protagonisten in diesem Werk wirken nicht nur äußerst leblos, sondern auch extrem unsympathisch und gefühlskalt. Zwar versucht man in der einen oder anderen Szene immer wieder diese undankbare Oberflächlichkeit zu durchbrechen, aber allein mit ein paar Hardcoreszenen und dem Plausch darüber hinterher will das leider nicht so recht gelingen. Was wir zu sehen bekommen, sind abstruse und recht geistlose, jenseits jeder Plausibilität angesiedelte Aktionen von schemenhaften und unerschlossenen Charakteren, die schon längst irgendwo jenseits von Gut und Böse einzusortieren sind. Hintergründe bleiben uns verschlossen, Analysen werden sowieso nicht angestrengt.
So entsteht schließlich ein zäher Brei, der sich so dahinzieht, dass nach spätestens 40 Minuten garnichts anderes als Langeweile aufkommen kann. Das Werk hat weder Anfang noch Ende, und man könnte bereits nach 3 Minuten ausblenden ohne Großartiges zu verpassen. Kern dieses sogenannten Dramas sind billige Orgien, mehr gibt der beinahe schon ins Experimentelle gehende Streifen einfach nicht her. Den Hardcoresex könnte man ja irgendwie noch verkraften, aber wenn man dem besoffenen Papa mit Großaufnahme auf seinen kleinen Willi beim Urinieren zusehen muss, fragt man sich schon zweimal, wo man hier überhaupt gelandet ist. Tate verbringt da seine Zeit schon lieber mit Onanieren bei der Damentennisübertragung - und Larry Clark wäre nicht Larry Clark, wenn er nicht bis zum flockigen Finale draufhalten würde. Das wären nur ein paar Highlights aus dem handfesten Repertoire von "Ken Park". Die meisten dieser Szenen erfüllen zudem nicht mal einen besonderen Zweck und sind deshalb einfach nur nervend bis extrem überflüssig.
Den Film könnte man mit einem Kerl vergleichen, der eine große Klappe besitzt, aber bei dem nichts dahinter steckt. Brotlos vergeudet dieses Werk die kostbare Lebenszeit seines Zuschauers, der vergebens nach einem Sinn bei dem Ganzen sucht. Diejenigen, die dabei trotzdem einen gefunden haben, verfügen über eine extrem lebhafte Phantasie. Auch wenn es der erste Blick noch vermuten läßt - dieser Film ist weder ästhetisch, noch auf irgendeine Art und Weise künstlerisch. Wie Clark es selbst schon im Vorfeld verlauten ließ, handelt es sich hier um eine gut 90 Minuten lange Provokation. Was er dabei vergaß zu erwähnen, war der Fakt, dass sich dies auf dem übelsten und primitivsten Level abspielt. Bis auf einen stimmigen Anfang und den erlösenden Schluss ist der Film absolut gehaltlos.
"Ken Park" besitzt weder Substanz oder Lehre, noch ist der Film irgendwie tiefsinning oder anspruchsvoll. Natürlich kann man mit einer überproportionalen Phantasie selbst in solch stumpfe Bilder immer noch irgendetwas hineininterpretieren, aber in diesem Fall wäre das wohl eher blauäugige Utopie. Als aufrichtiger "Bully"-Fan sitze ich hier nach dem Genuß von "Ken Park" mehr angewidert als bekehrt vor dem Bildschirm und frage mich ernsthaft, was dieser Mensch namens Larry Clark sich eigentlich beweisen will. Ich selbst bin nicht die Art von Person, die mit exzessiven oder provokativen Darstellungen in den Medien nicht klarkommt, aber wenn man bei einer plumpen Effektehascherei wie dieser den eigentlichen Film vergißt, kann ich mich mit der Idee nicht so ganz anfreunden. Für das Geld sollte sich der bekennende Voyeur dann lieber gleich ein richtiges Pornotape unter der Ladentheke erwerben.