Mögen Religionen unterschiedlich erscheinen, im Endeffekt haben sie alle etwas gemeinsam. Wer auf Erden sündigt, landet in der Hölle, wird gefoltert und bestraft. Genau dies passiert dem Protagonisten in „Jigoku“.
Shiro scheint das große Los gezogen zu haben. Er studiert und will bald seine Verlobte Yukiko heiraten. Doch dann wird alles anderes. Mit seinem Studienkollegen Tamura überfahren sie einen betrunkenen Yakuza. Sie begehen Fahrerflucht, doch werden dabei von der Mutter des Toten beobachtet. Mutter und die Frau des toten schmieden einen Racheplan. Beide sollen sterben. Kurze Zeit später haben auch Shiro und Yukiko einen Unfall, bei den Yukiko stirbt. Shiros Albtraumspirale dreht sich weiter, als er eine Affäre mit Yoko beginnt, eben die Frau des toten Yakuza. Als diese dies herausfindet, beschließt sie, Shiro zu töten, wie sie es vorhatte. Dieser wird aber ans Krankenbett seiner todkranken Mutter gerufen. Shiros Vater vergnügt sich mittlerweile mit der viel jüngeren Pflegerin. Auch hier regieren Habsucht, dunkle Geheimnisse. Als Tamura eine finale Bombe bezüglich der Sünden aller platzen lässt, landen Shiro und der Rest in den acht Höllen, und müssen für ihre Sünden büßen.
„Jugiko“ ist sicherlich kein einfacher Film, der zwei grundverschiedene Hälften hat. In den ersten zwei Dritteln des Films sind eine Art Drama, wir erleben, wie das Film von Shiro buchstäblich den Bach runtergeht. Dazu gesellt sich sein merkwürdiger Freund Tamura, der im Laufe des Films immer seltsamer wird und der Zuschauer schließlich erkennt, Tamura ist nicht wirklich real, sondern es ist die dunkle Seite von Shiro. Doch Shiro ist nicht der Einzige im Film, der mit Sünden beladen ist. Im ganzen film gibt es eigentlich kaum eine positive Figur, jeder hat irgendwo Dreck am stecken und wird dafür später büßen müssen. So ist Shiros Vater nicht mehr daran interessiert, in dem Seniorenheim seine Frau zu pflegen, viel interessanter ist da die Pflegerin, die er eingestellt hat und mit der er sich nun vergnügt, während im Nebenzimmer seine Frau im sterben liegt.
Selbst der hochgeachtete Vater von Yukiki, ein Professor an der hiesigen Universität, hat in seiner Vergangenheit einen Mord auf seinen Schultern, wie eigentlich jeder im kompletten Film.
So endet das zweite Drittel in einem großen Massensterben, sei es aus Geldgier oder Hass. Der Arzt des Seniorenzentrums vergiftet das komplette Heim mit alten Fisch, da er das Geld lieber für sich behält, die Mutter des Yakuzas bringt gleich alle um, inklusive Shiro, der aber zeitgleich (mittlerweile zum zweiten Mal, spätestens jetzt sollte es dem Zuschauer einleuchten) Tamura tötet. War der Film bis dato schon recht verwirrend, wird es nun noch surrealer.
Shiro landet an einem unbekannten Ort, wo Enma, der König der Hölle regiert. Von nun an kippt der komplette Film. Es wird gefoltert, geschlossene Wunden werden wieder freigelegt. Jeder muss leiden, immer wieder und wieder. Erst in der Hölle erfährt Shiro von seiner Freundin Yukiko, dass diese Schwanger war und dieses Kind in der Hölle ausgesetzt hat. In einem Lotusblatt schwimmt das Kind in dem Fluss, der das Reicht der Toten mit dem der lebenden trennt. Shiro will nicht wahrhaben, dass er tot ist und will seine Tochter retten. Doch die Hölle ist grausam und scheinbar rennt Shiro endlos seiner Tochter hinterher.
Spätestens in der Hölle wird der Film extrem surreal. Es gibt harte Zeitschnitte, eben noch musste Shiro leiden, da trifft er auf andere Menschen in der Hölle, die er eben noch zu Lebzeiten begegnet ist, Auch hier gibt es schmerzvolle Erfahrungen zu machen.
Daneben präsentiert Regisseur Nobuo Nakagawa für die damalige Zeit (der Film wurde Anfang der 60er gedreht) brutale Effekte, die zwar nicht im übermaß vorhanden sind, dennoch ziemlich blutig zur Schau gestellt werden. Dies taucht Nakagawa in ein Farbenmeer. Die Helfer des Höllenkönigs werden z.B. immer blau angestrahlt, bevor sie die Seelen der Sünder peinigen. Der ehemalige Arzt des Seniorenzentrum wird z.B. immer wieder zersägt, nur um danach wieder am Leben zu sein und dieser Martyrium erneut über sich ergehen zu lassen. Auch die anderen kommen alles andere als gut weg, die Hölle ist erbarmungslos, hält den Sündern wortwörtlich den Spiegel vor das Gesicht und lässt sie auf ewig leiden. Selbst Tamura lernt die Hölle kenne, obwohl er doch eigentlich gar nicht real ist.
„Jigoku“ ist alles andere als ein leicht zu verdauender Film, allein mit seinen zig Kamerawechseln und Schnitten. Zwischen einigen Darstellern gibt es Verzweigungen, die schlussendlich erst in der Hölle komplett aufgedeckt werden, um die Menschen dort noch mehr leiden zu lassen. So gibt es selbst zum ende hin noch einige Überraschungen und von einem Happyend mag man wirklich nicht sprechen, auch wenn der Film relativ friedlich endet. Doch der Zuschauer weiß es besser.
Fazit: „Jigoku“ ist ein äußerst ungewöhnlicher Film, der sich in zwei Filmabschnitte aufteilt. Gegen Ende fühlt man sich an Jose Mojica Marins Hölle in seinen „Zé do Caixao“ erinnert, auch wenn Marins hier noch mehr die Farben spielen lässt, während es in Nakagawas Hölle es deutlich graphischer zugeht. „Jigoku“ ist keine leichte Kost, teilweise schwer zu durchschauen und eben surreal. Doch wer sich darauf einlässt, bekommt einen Trip geboten, den er so schnell nicht mehr vergisst.