Ursprung: Kommkino (Joachim Kinzner)
Sinners from Hell
(OmeU) JAP 1960, 100 Min., R.: Nobuo Nakagawa, D.: Shigeru Amachi, Hiroshi Hayashi
Da der asiatische und speziell der japanische Film jenseits Kurosawa, Godzilla und Eastern - Fließbandware ja schon seit jeher in unserem angeblich so aufgeschlossenem Land unterrepräsentiert war, haben die meisten deutsche Zuschauer einige der herausragendsten Werke der Filmgeschichte verpasst.
Da das unserer Meinung weiter nicht sein sollte, zeigt das kommkino in den nächsten Monaten drei bislang nicht in Deutschland gezeigte Meisterwerke des klassischen japanischen (Genre-) Films. Beginnen werden wir mit Nobuo Nakagawas Meilenstein "Jigoku", der außerhalb Japans auch unter den Titeln "Sinners of Hell", "Hell" oder "Inferno" bekannt sein dürfte. Regisseur Nakagawa, der seit seiner kongenialen Verfilmung der klassischen japanischen Geistergeschichte "Ghost Story of Yotsuya" aus dem Jahre 1959 im eigenen Land den Titel "Master of the Japaneseque Horror" trägt, erzählt darin die Geschichte eines naiven Studenten, der durch die unglückliche Verkettung von Umständen in das Massensterben einer ganzen Dorfgemeinschaft verwickelt wird und daraufhin mit allen anderen Beteiligten in der Hölle landet, wo diese auf grausame Weise für ihre Sünden büßen müssen. Dabei bediente sich der Regisseur für seine theatralische Inszenierung tief in der japanischen Mythologie, aber auch an Teilen der westlichen Kultur, was besonders in der Gestaltung des an Dantes Inferno angelegten Höllenszenarios deutlich wird. Hier bekommt dann auch der Zuschauer ein wahres Feuerwerk an grotesk-blutigen Höllenvisionen um die Ohren geschlagen, die in ihrer Extremheit und Intensität locker mit Clive Barkers "Hellraiser" mithalten können. Dabei war Regisseur Nakagawa, der dieses optisch geniale Epos in fast einjähriger Dreh- und Produktionszeit aus dem Boden gestampft hat, besonders an den philosophischen und religiösen Aspekten dieses Themas interessiert. Diese wiederum fehlen im 1981 gedrehten Remake von Tasumi Kumashiro fast vollständig, wobei dem Zeitpunkt üblich besonders die für damalige Verhältnisse tabubrechenden Sex- und Gewaltanteile des Originals gewaltig hochgeschraubt wurden. Alles in allem ist "Jigoku" anspruchsvoller Erwachsenenhorror, der den Zuschauer noch lange Zeit nach dem Ende beschäftigen wird.
Joachim Kinzner