Früher, so etwa bis Ende der Neunziger, als Internet noch nicht allzu verbreitet oder gar schnell war, besuchte man Videotheken (mit richtigen Räumlichkeiten) und entschied sich für den einen oder anderen Genrefilm aufgrund des ansprechenden Covers. Bei vorliegendem, mit schrumpeliger Nacktkatze und Holzkreuzen im Hintergrund assoziiert man unweigerlich eine Variante von „Friedhof der Kuscheltiere“.
Nach dem Tod ihrer Mutter widmet sich Lily der Ausbildung zur Krankenschwester, während ihr Bruder Jeff mit waghalsigen Aktionen Klicks für seinen Kanal sammelt. Sein neues Experiment mit zwei Bekannten wird besonders waghalsig, denn innerhalb eines Nahtoderlebnisses wollen die Probanten ins Zwischenreich eintauchen, um mit nahen Verstorbenen Kontakt aufzunehmen. Doch einmal den Schritt ins Jenseits gegangen, nimmt der Sensenmann die Spur auf…
Obgleich die Methoden im Vorbild „Flatliners“ bereits relativ hanebüchen ausfielen, wird es hier noch einmal deutlich abstruser. Drei Leute werden direkt nacheinander mittels Plastiktüte erstickt, dann laufen die Eieruhren nach drei Minuten ab und ohne Kontrolle über Herzschlag, Blutdruck oder Puls setzt Lily eine schlichte Beatmungsmaske an, um die Scheintoten ins Leben zurückzuholen. Wäre mal etwas für einen Anästhesisten-Kongress.
Regiedebütantin Rebecca Matthews und ihrer Autorin Suzy Spade ist die mangelnde Erfahrung in sämtlichen Bereichen deutlich anzumerken, denn die Geschichte wird nahezu einschläfernd vorgetragen. Die Figurenzeichnungen sind zwar kaum ausgeprägt, dennoch wird zuviel Zeit mit Geplänkel um das Experiment verbracht. Bei den jeweiligen Begegnungen im Zwischenreich wurde direkt auf eine Ausstattung verzichtet, denn es gibt nur jeweils zwei Figuren vor schwarzem Hintergrund.
Die Katze vom Cover taucht indes nach 25 Minuten erstmalig kurz auf, im Verlauf werden ihr auf unspektakuläre Art rote Klüsen per CGI untergejubelt. Das nicht gerade kuschelige Tier ist der Vorbote vom Sensenmann, welcher ebenfalls hin und wieder aufkreuzt und final sogar in eine kleine Rangelei verwickelt wird, denn der ordnet sich der spannungsfreien und lahm vorgetragenen Chose nebst Meditations-Score nahtlos unter.
Immerhin kommt es zu FSK16-Blutvergiessen, wobei die Gräueltaten nicht über einen verklebten Mund, kaum wahrnehmbare Messerstiche und angedeutete Axthiebe hinauskommen.
Der Mangel an Inspiration, Abwechslung und Tempo macht sich früh bemerkbar, es sind nicht gerade beeindruckende Mimen am Start und selbst die Kamera wirkt bei ruhigen Momentaufnahmen stets ein wenig unsicher. Die sparsame Inszenierung ohne sonderliche Effekte oder gar Knallbonbons und der Ideenklau ohne Eigeninitiative sind nicht gerade das, was das hübsch gestaltete Cover suggeriert.
Knapp
3 von 10