Das Wettbieten um die Rechte für „Crazy Rich Asians“ hatte Netflix zwar verloren, aber dessen Kassenerfolg zeigte dem Streamingdienst, dass RomComs mit Asian Americans Publikumspotential haben, sodass diese schon ein Jahr später mit „Always Be My Maybe“ ähnliches Terrain beackern konnten.
Die Geschichte ist immerhin merklich mehr erdgebunden als die exzessive Reichtumskomödie nach Bestsellervorlage, Protagonistin Sasha Tran (Ali Wong) ist allerdings auch ein Promi, eine Starköchin, um genau zu sein. Betont gewöhnlich ist dagegen die zweite Hauptfigur, ihr Jugendfreund Marcus Kim (Randall Park), der als Installateur für Heizungen und Klimaanlagen arbeitet. Als Nachbarskinder lernten sie sich kennen, waren dicke Freunde als Jugendliche, bis es, kurz nach dem plötzlichen Tod von Marcus‘ Mutter, erst zu Sex im Auto, dann zu unbeholfener postkoitaler Interaktion und schließlich einem handfesten Streit kam. Soweit die in anfänglichen Rückblenden gezeigte Vorgeschichte der Hauptfiguren, die in RomCom-Tradition natürlich füreinander vorbestimmt sind.
In der Gegenwart des Films haben sich beiden aber seit 16 Jahren nicht mehr gesehen, Sasha ist weggezogen und mit dem Star-Gastronom Brandon Choi (Daniel Dae Kim) verlobt. Erst für die Eröffnung eines neuen Restaurants kehrt die Köchin zurück in ihre Heimatstadt San Francisco, während ihr Galan derweil auf Selbstfindungs- und Businesstrip nach Indien geht. In Sashas neuer Bleibe installiert niemand anderes als das Vater-Sohn-Duo aus Harry (James Saito) und Marcus die Klimaanlage. Marcus lebt immer noch im Haus seines Vaters, fährt immer noch die gleiche alte Karre und ist immer noch Sänger und Keyboarder seiner Band Hello Peril. Trotzdem schafft „Always Be My Maybe“ es ihn nicht einfach als Kleben-Gebliebenen oder als Nicht-Erwachsengewordenen darzustellen. Marcus verdient sich Zuschauersympathie, nicht -mitleid.
Nach anfänglicher Ablehnung sehen sich Sasha und Marcus öfter, können nach und nach an alte Zeiten anknüpfen. Als Sashas Verlobung zerbricht, wäre theoretisch der Weg für das Traumpaar offen, doch da sind noch Marcus‘ aktuelle Freundin Jenny (Vivian Bang), ihre unterschiedlichen Lebensentwürfe und diverse andere Widrigkeiten, die gegen sie als Pärchen sprechen…
„Always Be My Maybe“ ist keine Glamour-RomCom wie „Crazy Rich Asians“, sondern erinnert mit seiner Thematik der romantischen Gefühle unter Freunden an Werke wie „Harry und Sally“ – letzterer inspirierte Wong und Park wenig verwunderlich, als diese das Drehbuch gemeinsam mit Michael Golamco verfassten. Hier ist die Zuneigung der beiden Hauptfiguren schnell etabliert, es sind eher die Hindernisse, die im Weg der beiden stehen. Die verstrahlte Hippie-Tante Jenny erscheint da weniger als Gefahr (und wird von Marcus meist lieber verleugnet), stattdessen geht es um den Unterschied zwischen der Jetset-Karrierefrau Sasha, die bald das nächste Restaurant in New York eröffnen will, und dem bodenständigen Marcus, der so sehr in seiner Community verwurzelt ist, dass er sich selbst dafür kaum öffnen kann, mit seiner Band in einem Club in einem anderen Stadtteil aufzutreten. Noch nicht einmal Sashas Promiberuf erscheint dabei als große Anomalie, sondern als glaubwürdiger Teil der Romanze.
Diese läuft dann allerdings nach erwartbarem Muster ab: Langsame Annäherung, zwischenzeitlich Sand im Getriebe durch Nebenbuhler und Co., dann das Wagnis Beziehung und in der Schlussphase dann nochmal der Clash der Lebensentwürfe, damit das alles nicht zu reibungslos läuft. Auch die Nebenfiguren erfüllen klassische Funktionen: Die gemeinsame Jugendfreundin und jetzige rechte Hand von Sasha, Veronica (Michelle Buteau), hilft beim Überwinden der Animositäten, Papa Harry ist der weise, verständnisvolle Ratgeber, der vom Sohn gern als Ausrede fürs Daheimbleiben genutzt wird und als komödiantische Akzentgeber sind neben der verpeilten Jenny auch noch Marcus‘ Bandkollegen dabei. Kleine Details, etwa dass die vietnamesischstämmige Sasha von Marcus‘ Mutter das koreanische Kochen gelernt hat, verorten das Ganze leicht in der Kultur der Asian Americans, insgesamt ist das Ganze aber doch eine sehr universale RomCom.
Als solche will „Always Be My Maybe“ eben nicht nur romantisch, sondern auch komisch sein und das gelingt Regisseurin Nahnatchka Khan recht gut. Zu den Highlights gehören Sashas Ausraster bei einer Party (leider schon im Trailer verbraten), die Auftritte von Hello Peril und die Gastrolle von Keanu Reeves, der sich selbst spielt. Also eine Hollywoodschnösel-Version seiner selbst, mit welcher der Actionstar Selbstironie beweist. Seinem Auftritt wird im Anspannsong nochmal Tribut gezollt, der gleich noch die wesentlichen Actionrollen von Reeves in „Speed“, den „Matrix“-Filmen, der „John Wick“-Reihe und „Point Break“ anzitiert. Die meisten Gags sind dann doch eher die nette Schmunzelklasse, die Dialoge sind durchaus gewitzt, aber auch nicht so zitierfähig wie in den besten Beispielen der Romantic Comedy.
Dafür sind Ali Wong als Karrierefrau und Randall Park als sympathischer Schluffi in ihren Rollen stark und haben auch miteinander die entsprechende Chemie für die komplizierte Romanze zweier Menschen, die (auch ihrem Umfeld zufolge) füreinander bestimmt sind, aber erstmal ihre Unterschiede und vergangene Kränkungen überwinden müssen. Sie heben ihre Rollen merklich über einfache Schablonen hinaus und harmonieren miteinander, sodass man merkt, dass es für beide ein Herzensprojekt war. Keanu Reeves schob seine Szenen während einer Drehpause von „John Wick 3“ ein und gestaltete seine Rolle mit; auch ihm merkt man den Spaß an und die Freude für das Projekt an. In Nebenrollen setzen bekannte Gesichter wie James Saito und Charlyne Yi kleine Akzente, Michelle Buteau ist solider Support, nur Daniel Dae Kim als Karriere-Schmierlappen und Vivian Bang als New-Age-Hippie kommen eindimensional und klischeehaft rüber.
Für die große Offenbarung im RomCom-Genre fehlt es „Always Be My Maybe“ dann vielleicht an erzählerischer Frische und einer höheren Gagdichte, dank der sympathischen Hauptdarsteller, der amüsanten Musikeinlagen von Hello Peril und des glaubwürdigen Down-to-Earth-Tons der Romanze ist das Ganze eine sympathische Angelegenheit, gerade in Zeiten, in denen das Genre der Romantic Comedy kaum noch im Kino stattfindet und auf Streamingdiensten oft mit sehr durchwachsenem Ergebnis.