Trotz ausnehmend langer Verzögerung der Veröffentlichung, die mehrere Ankündigungen und ebenso mehrere Verschiebungen vorher gegangen sind, und trotz einer wenig vielversprechend klingenden Besetzung mit (für den China-Markt) eher semiprominenten und zudem nicht 'einheimischen' Darstellern sowie einem ebenso wenig attraktiven Schauplatz der Erzählung wurde beim finalen Erscheinungstermin ein überraschend respektables Einspielergebnis an den Kinokassen erzielt. Gestartet Anfang August 2019 hat der auch als Witness gelistete Mysterythriller Bodies at Rest mit durchaus vorhandener Konkurrenz des feurigen Katastrophendramas The Bravest und des weiterhin vorhandenen Höhenfluges der animierten Box Office Sensation Ne Zha sowie der kurz darauf (durch)startenden Fortsetzung Line Walker 2 ordentliche 25 Mio. USD erwartet; aufgeatmet haben wird vor allem Regisseur Renny Harlin, der mit diesem Werk seine insgesamt dritte Arbeit in und für die Volksrepublik abgeliefert hat und nun weiterhin für Xi Jinping und dessen Bevölkerung in Sachen Kultur und Unterhaltung anwesend ist.
Harlin, der zuvor den solide aufgenommenen Skiptrace (2016) und den Megaflop Legend of Ancient Sword (2018) geschaffen hat, schon seit längerem keine eigene Handschrift oder ein persönliches Interesse an den jeweiligen Projekten aufweisen kann oder mag und im Grunde als (ehemals) etablierter Handwerker und (lange Zeit her) 'Hollywood-Regisseur' mit einigen Klassikern aus dem letzten Jahrhundert eingekauft wurde, ist mit neuerdings Simon West noch der prominenteste Vertreter der Bemühungen Chinas, die Amerikaner mit ihren eigenen Waffen zu schlagen und möglichst auch international Bestehendes zu arrangieren. [West hat den im Dezember kommenden Katastrophenfilm SkyFire und den Abenteuerfilm Legend Hunters als Bestandteil der unzusammenhängenden Mojin-Reihe gedreht.]
Weihnachtsabend, in der Kwai Chung Public Mortuary. Der verwitwete Gerichtsmediziner Nick Chan [ Nick Cheung ] ist zusammen mit seiner jungen Kollegin Lynn Qiao [ Andy Yang Zi ] noch im Dienst, als die drei maskierten Tong [ Richie Ren ], Wyatt So [ Feng Jiayi ] und sein jüngerer Bruder Howard [ Carlos Chan ] in das nur noch vom älteren Wachmann Uncle King [ Ma Shuliang ] beschützte Gebäude eindringen und die Herausgabe einer bestimmten Leiche bzw. die Entfernung einer in einem Frauenkörper steckenden Pistolenkugel verlangen; und diese Forderung auch mit Waffengewalt durchsetzen. Als Chan sich diesem widersetzt, geraten er und die anderen Anwesenden in tödliche Gefahr, zumal das Gebäude sowieso wenig frequentiert ist, und auch ein regnerischer Sturm wütet.
Da der Grund für die Verzögerung unbekannt ist, letztlich aber keine Auswirkungen auf das Endergebnis hat, stellt sich bloß noch die Frage, warum man ausgerechnet Harlin hierfür engagiert hat: ein eher kleines Setting, mit einem präzisen Datum und einer ebenso überschaubaren zeitlichen Frist, dazu erneut eine Begrenzung des Raumes, welches in einer zutiefst regnerischen Nacht auf die aseptische Anonymität eines pathologischen Institutes reduziert ist, und zwar in HK spielt, aber in China gedreht wurde und in dieser Gestaltung sowieso überall gesetzt sein könnte und auch problemlos von einem chinesischen (oder kantonesischen) Filmemacher gedreht. Eine wirkliche Expertise für den zugegeben schnellen Einstieg, das ratifizierte Vorspiel der Handlung und die Konfrontation innerhalb weniger Minuten und rudimentärer Einführung weist Harlin nicht auf; eventuell erinnert man höchstens in positiven Sinne an dessen Mindhunters, welcher allerdings eher übersehen, mit seinem Schauermärchen und der Tätersuche auf abgeschotteten Eiland und bei stürmischem Wind und Wetter aber noch meisten Reminiszenzen auslöst und hier quasi sein asiatisches Pendant dazu, oder auch die preiswerte Variante eines "Stirb langsam (2) in der Leichenhalle" erhält.
Blitz und Donner, Katz-und-Mausspiel, und das Drohen und Umsetzen der Forderung mit Waffengewalt beherrschen die Regisseure des Landes allerdings auch; gerade im Bereich des Action- und/oder Psychothrillers wurden (zuweilen auch nach populären belletristischen Vorlagen) gerade in den letzten Jahren gleich mehrere Vertreter des Genres abgeliefert, die auf ihre Art und Weise und immer noch mit dem speziellen landestypisch eher trockenen bis spröden Flair als Faktor auch dunklere Geschichten und den Kampf zwischen Gut und Böse und Körper und Geist facettenreich erzählen. Harlin, der immer noch als Action-Regisseur gilt, hat hier in diesem eingeschränkten Sujet natürlich auch Schwierigkeiten, tatsächlich in die Vollen zu gehen, gibt dahingehend allerdings wirklich sein Bestes; ab und an wird ein Schuss abgefeuert, eine Rangelei im Flur geliefert oder Fluchtversuche getätigt, abgesehen von einer wilden Zwei-gegen-Zwei Prügelei gegen die auftauchenden und von Beruf aus neugierigen PC Officer Li [ Ron Ng ] und PC Officer Ng [ Ming Peng ] mit auch stuntintensiven Stürzen oder der Verwüstung eines Labors mit zerschossenen oder zerbrochenen Glasscheiben aber eher viele kleinere Einlagen, die mittig dann plötzlich mal in eine kurze Autohatz samt Kollision umschlagen, sich dann aber als Imagination mit fatalem Ausgang entpuppt und dann dieser 'Tagtraum' eben nicht umgesetzt wird. [Die Rückblende eines aus dem Ruder laufenden Drogendeals mit vielen Toten kann man auch noch dazu zählen, die Actionquota möglichst hochzuhalten, ohne die Logik zu sehr zu strapazieren.]
Hinzu kommen diverse Interferenzen von außen, Störfaktoren figürlicher Natur wie ein Bestattungsunternehmen, welches durch Fahrer Kit [ Roger Kwok ] vorfährt, oder auch die Reinigungskraft Wyatt [ Jin Au-yeung ], die quer durch das Gebäude beschäftigt ist, aber auch individueller Art – die tatsächliche Identität und das Motiv der drei Eindringlinge, die Beziehung zwischen den beiden Pathologen und die Vorgeschichte von Nick – , welche die 90min Laufzeit trotz Andeutungen von Ermüdungserscheinungen immer wieder auf Trab halten und erneut in die Spur bringen. Sexuell etwas offensiver als gewohnt, dazu auch eine morbide Umgebung, und mit mehreren 'unerfreulichen' Anblicken von Leichen oder auch Andeutungen von Autopsien durchwebt.