Mit Gangstern an Weihnachten kennt sich Regisseur Renny Harlin aus, - schließlich inszenierte er seinerzeit die Fortsetzung von „Stirb Langsam“. Der gebürtige Finne, der mittlerweile in China lebt und dreht, knüpft mit seiner Action deutlich an alte Zeiten an und dürfte damit vornehmlich die älteren Genrefans ansprechen.
Weihnachten in der beinahe verlassenen Gerichtsmedizin irgendwo in Hongkong: Als Nick Chan (Nick Cheung) und seine Assistentin Lynn (Yang Zi) ihre Arbeit erledigt haben, werden sie von drei Maskierten überfallen. Sie fordern ein Beweisstück aus einer Frauenleiche, doch Nick kann die Gangster zunächst mit einer falschen Patronenhülse abspeisen. Als sie die List bemerken, wird ihre Forderung eindringlicher, doch die Pathologen lassen sich nicht unterkriegen…
Die Erzählung legt früh ein flottes Tempo vor, was anfangs ein wenig zulasten der Figurenzeichnungen geht. Über Nick erfährt man lediglich, dass seine Frau bei einem Überfall ums Leben kam, während Lynn eine Stelle in einer anderen Stadt antreten will.
Erst im Verlauf kristallisieren sich beim Heldenduo positive Eigenschaften heraus, denn Nick geht ruhig und analytisch vor und auch Lynn bleibt nicht wehrlos, zumal sie nach eigenen Angaben beim Militär war. Über die drei Eindringlinge erfährt man zunächst nicht viel, Einzelheiten werden erst im letzten Drittel per Rückblick ans Licht gebracht.
Als Kulisse dient hauptsächlich die Pathologie, die man sich wie ein modernes Hospital mit moderner Technik vorstellen kann. Mit viel Glas und Stahl ausgestattet wirken einige Räume beinahe ein wenig steril und erinnern kaum an die Klischeeausstattung mit Seziertisch und Brennofen. Jedoch kann auch entsprechend viel zu Bruch gehen, was beim Katz- und Maus-Spiel nicht ausbleibt.
Obgleich nur wenige Nebenfiguren involviert sind und nur kurz der Hauptschauplatz verlassen wird, um auf nächtlicher, regennasser Fahrbahn einige Fahrzeuge zu demolieren, wird die Angelegenheit nie langweilig. Allerdings ein wenig hanebüchen, denn beide Parteien können physisch einiges einstecken und auch etwaige Versuche von Gegenwehr bleiben manchmal auffallend halbherzig. Dennoch wird recht viel aus der simplen Prämisse herausgeholt, zumal einige Fights für Abwechslung sorgen, während zahlreiche Requisiten zweckentfremdet werden. Dabei schießt eine chemische Mixtur gegen Showdown jedoch ein wenig übers Ziel hinaus.
Gleiches gilt für den Score, der beinahe in einer Tour galoppiert. Demgegenüber performen die Darsteller angenehm zurückhaltend und weitgehend glaubwürdig, - die meisten werden ohnehin eher körperlich, denn mimisch gefordert. Ansonsten wird solides Handwerk geliefert, welches sich primär durch eine saubere Kamera auszeichnet, die bei der Action stets auf Augenhöhe bleibt.
Letztlich ist Harlin ein kurzweiliger Actioner gelungen, der trotz kleiner Wendungen überwiegend vorhersehbar bleibt und allenfalls am Rande für kleine Überraschungen sorgt.
Der Humor kommt zwar etwas kurz, dafür geht relativ viel zu Bruch, während die FSK16 hinsichtlich einiger weniger Gewalteinlagen angemessen scheint.
Wer nicht den großen Bombast oder eine Zerstörungsorgie erwartet, könnte durchaus auf seine Kosten kommen.
Knapp
7 von 10