Review

"Orgy of the Dead" ist sicherlich alles andere als ein guter Film - wird aber häufig auch schlechter gemacht als er es letztlich ist. Nicht zuletzt seine Nähe zu Edward D. Wood jr., der hier das Drehbuch geschrieben hat und dessen Stamm-Darsteller Criswell hier eine typische Rolle bekleidet, dürfte Teil daran haben, dass die Urteile über dieses Werk oftmals vernichtend sind.
Und Angriffsfläche bietet der Film im Prinzip auch genug - das fängt bereits (Achtung: Spoiler!) bei der Handlung an: Tatsächlich bietet der Film nichts anderes als ein mit dem Wagen verunglücktes junges Paar, das in der Nähe eines Friedhofs eine Reihe von Tanznummern auferstandener Toter vor den Herrschern der Nacht (Criswell und Fawn Silver als Vampira-Plagiat) betrachtet - zunächst freiwillig, bald schon unfreiwillig, von einem Werwolf und einer Mumie gefesselt - bis schließlich die Sonne aufgeht und alle bis auf das Paar zu Asche zerfallen lässt. Oder war alles bloß geträumt? Mit dem Paar ist der Zuschauer Zeuge einer Orgie verstorbener Sünderinnen, die nun zur Strafe und zur Belustigung von Criswell und Ghoulita wieder und wieder speziell auf sie zugeschnittene Tänze zu tanzen haben, welche allesamt damit enden, dass sie am Ende nackt sind - falls sie es nicht schon von Anfang an waren. (Wobei ein hautfarbenes Höschen die delikatesten Stellen dann doch verdeckt.)

Die heute etwas zurückhaltend wirkende Erotik, die noch ganz in der Tradition der Nudistenfilme der späten 50er und frühen 60er Jahre steht, ist phasenweise noch ganz wirksam (wenn auch überwiegend wohl eher erheiternd), die Gruselelemente hingegen dürften auch jüngste Zuschauer unbeeindruckt lassen: alle Monstren bleiben letztlich völlig ungefährlich, Werwolf und Mumie machen Witzchen und das einzige Moment einer wirklichen Bedrohung verpufft innerhalb weniger Sekunden. Hinzu kommt das Problem, dass Criswell etwas unbeholfenes Overacting an den Tag legt (wie man es von ihm gewohnt ist), während die beiden Protagonisten ihre - zudem belanglosen - Texte recht ausdruckslos vortragen.
Einem Zuschauer sollte also klar sein, dass er hier weder eine wirksame Dramaturgie, noch wohlige Gruselatmosphäre erwarten darf. Auch der Gehalt des Werkes ist freilich schwindelerregend gering: allenfalls der Hauch einer ursprünglich von Wood angestrebten Moral ist zu spüren, wenn hier eine Bestrafung von Missetätern im Jenseits die zentrale Rolle spielt. Doch neben dem Quentchen Nacktheit, gibt es etwas anderes, das das Betrachten noch einigermaßen lohnenswert macht: die ästhetische Ebene.

Auch hier erreicht der Film keine ernsthaft lobenswerten Höhen, aber positive Tendenzen zeichnen sich durchaus ab. Dass der Film nach der Autofahrt (etwa ebenso minimalistisch wie die aus Godards "Pierrot le fou" (1965)) an nur einem einzigen Ort spielt und die Kamera überwiegend statisch bleibt, sind sicherlich nicht die Voraussetzungen für beeindruckenden Ästhetizismus. Umso erstaunlicher ist es, dass Apostolof die deutlich erkennbare Studiokulisse durch Unmengen von Kunstnebel, eine teils aggressive Beleuchtung und die recht satten Farben dann doch noch gehörig aufwerten kann. Im blaugrauen Nebel vor dem grünen Blätterwald über dem bräunlichen Erdboden zeichnet sich mal eine weiß kostümierte Tänzerin, mal eine vergoldete Tänzerin ab, aggressives Rotlicht hüllt bisweilen große Teile des Bildes ein und viele der Kostüme sind - auch wenn oder gerade weil sie die Quintessenz des jeweiligen Klischees bilden - ebenfalls nett anzusehen... dass sie dabei auch ziemlich schlicht ausfallen ergänzt sich perfekt mit der zurückhaltenden, überschaubaren Bildkomposition, die auf recht minimalistische Weise größere Flächen in satten Farben aneinanderfügt. Diese in wenige, jeweils eintönig eingefärbte, größere Flächen eingeteilte Bildkomposition erinnert in Verbindung mit den satten Farben, die sich vor allem auf einheitliches grün, blau, rot, braun und grau bzw. weiß beschränken, an die Ästhetik einiger 50er Jahre Musicals. (Dieser Umstand wird natürlich auch nicht dadurch beeinträchtigt, dass er eher aus einem Mangel an Geld und Technik resultiert und weniger die Folge eines ästhetischen Konzepts ist.)
Dass der Film dann noch auf zahlreiche Tanznummern setzt bestärkt diese Nähe zur Musical-Ästhetik noch, hierbei schlägt dann aber auch das Untalent der Beteiligten wieder voll ein: Von einer Choreographie mag man hier nie sprechen, das verhaltene Getänzel ist schlimmstenfalls alberner Vorwand für ein paar Frivolitäten (etwa beim Tanz der Katzenfrau), bestenfalls ausgiebig-ekstatisches Gezappel, wie man es aus etlichen Russ Meyer Filmen kennt... die Spannbreite ist in dieser Hinsicht groß, der größte Teil bleibt allerdings im Bereich becircender Stripteasenummern, die eher rhythmische Bewegung als Tanz darstellen.

Die Ästhetik leidet also auch vielfach an einigen Unzulänglichkeiten (gerade das in bester Wood jr. Tradition eingefügte Archivmaterial, das hier und da auftaucht, hätte nicht sein müssen), passt im Prinzip jedoch gut zum naiven Tonfall des Ganzen. Wer sich also auf eine Mischung aus frühen Tanzfilmchen eines Melies und einer Vorstufe zu den - eher auf Zustandsbeschreibungen und weniger auf Handlungsfilme ausgerichteten - Grusel-Sexern der späten 60er und frühen 70er Jahre (hier wären etwa "Nuda per Satana" (1974) oder "Paroxismus" (1969) zu nennen) einstellt, die von den letzten Überbleibseln der Nudistenfilme durchdrungen ist, der dürfte auch nicht völlig enttäuscht werden und bekommt hier einen formal zwar ziemlich primitiven, aber nicht völlig reizlosen Film geboten, der fünf, sechs, sieben Jahre später wohl etwas angebrachter gewesen wäre, so jedoch immerhin zu einer bizarren Kuriosität geworden ist. (Mitte der 60er war - Ausnahmen bestätigen die Regel! - eher die Verbindung von Grusel und weniger deutlicher Sexualität die Regel (etwa bei recht etablierten Studios wie Hammer), oder aber die Verbindung von modernerem Horror bzw. Splatter und vergleichsweise expliziter - d. h. Nacktheit, direkte Thematisierung etc.! - Sexualität (etwa in "Love Goddesses of Blood Island" (1964) und anderen unabhängigen Billigproduktionen). Die von Edward D. Wood jr. geschriebene Mischung nimmt hingegen eine Entwicklung vorweg, die erst ein halbes Jahrzehnt später wirklich ins Rollen kam.)

Kurz: Niveaulose Geschichte, die relativ bewusst auf eine Dramaturgie verzichtet - der Trailer macht keinen Hehl daraus, dass man eher eine Nummernrevue geboten bekommt! -, mit Tendenzen zur moralischen Aussage, formal durchaus schluderig, aber mit ästhetisch reizvollen Ansätzen. Unfreiwilliger Humor (wenn Criswell etwa entzückt "More Gold!" gellt, während ein tanzendes "Gold Girl" mit Goldmünzen übergossen wird) sorgt dann nebenbei noch für Unterhaltungswert - ob das jedoch eine Qualität ist, sei mal dahingestellt... spaßig ist es allemal.
4,5/10

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