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Die "Wende": Alex Kerner, ein junger Mann, steht mitten im Geschehen. Seine Mutter bekommt von all dem nichts mit: Koma nach einem Herzinfarkt. Sie wacht wieder auf als alles vorbei ist. Nun tut sich das ein oder andere Problem auf. Mutti muß sich schonen, ja keine Aufregung - ein zweiter, finaler Herzinfarkt droht. Und: die treue Ostseele hängt doch sehr an "ihrer" DDR. Was tun? Alex hat eine Idee: Die Wende verschweigen.

Fortan dreht sich Becker's Geschichtsaufarbeitung aus Ostperspektive primär darum, wie seine Protagonisten durch Lügen gezielt ein Gebilde wünschenswerter Politik und Gesellschaft aufbauen. Alex schwindelt sich eine DDR zusammen, ganz wie Mutti es sich immer erträumt hatte, und Mutti schwindelt sich eine Vergangenheitsbewältigung zurecht, die die Kinder in tiefste Zweifel bringt: Ist Papa seinerzeit wirklich abgehauen wegen einer West-Braut? War er so eiskalt seine Familie einfach zurück zu lassen?

Daniel Brühl mimt den Ost-Teenager glaubhaft und trotz allen komödiantischen Elementen erstaunlich ernsthaft und bodenständig. Genau dieser Spagat ist hier notwendig - und Brühl meistert die Herausforderung mit Bravour. Kein Wunder, daß dieser Film seinen Durchbruch förderte. Die Verknüpfung mit einer Romanze erscheint weit weniger hollywoodverseucht als bei reiner Beschreibung anzunehmen wäre. Wolfgang Becker bleibt wie zuvor schon in "Das Leben ist eine Baustelle" seiner geradlinigen typisch deutschen Film-Art treu, was "Good Bye Lenin" letztlich den großen Erfolg bescherte.

Eine Komödie, die selten zum Lachen, oft aber zum Nachdenken anregt und trotzdem lockere Unterhaltung für die ganze Familie bietet.

(7/10)

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