Good Bye Lenin!...
...ist eine wunderbare Tragikkomödie um die Wendewirren mit vielen Facetten und liebevollen Details. Doch von Anfang an:
Die Story
Der Film beginnt 1978 als sich der Ehemann der Familie Kerner in den Westen absetzt und seine Frau Christiane (Katrin Saß) und die beiden Kinder Alexander (Daniel Brühl) und Ariane (Maria Simon) zurücklässt. Von der Stasi hart verhört erleidet sie einen Nervenzusammenbruch und muss in die Reha. Von da zurückgekehrt erzieht sie ihre Kinder lineintreu, wohl auch, weil sie fürchtet, dass man ihr als Frau eines Republikflüchtlings die Kinder wegnehmen könnte.
1989 dann, anläßlich der Feierlichkeiten des 40. Jahrestags der DDR und inmitten der Anfänge der Wende-Demonstrationen macht sich Christiane auf dem Weg zu einer Preisverleihung.
Die Straßen sind aufgrund einer Demonstration gesperrt, so macht sie sich auf den Fuß auf dem Weg und muß mitansehen, wie die Staatstruppen mit Gewalt auf friedliche Demonstraten losgehen und einzelne mit Schlagstöcken traktieren. Als sie sieht, dass auch Alexander unter den Demonstranten ist, die verhaftet werden, bricht sie mit einem Herzinfarkt zusammen.
Da ihr erst spät medizinisch geholfen wird, fällt sie ins Koma und die Ärzte wissen nicht ob, oder wann sie je wieder daraus erwacht. Tatsächlich erwacht sie im erst Monate später im Juni 1990. Sie bekommt weder mit wie die Mauer fällt, noch wie sich alles in ihrem Umfeld verändert, Ariane Mutter wird und ihr Studium zugunsten eines Jobs bei Burger King schmeisst, Alexanders Fernsehreparatur geschlossen wird und er sich in die Krankenschwester Lara verliebt, bei deren ersten Kuss just Mama Kerner erwacht.
Jedoch ist sie noch immer sehr geschwächt, sodass der Arzt ihren Kindern verdeutlicht, dass jede Aufregung sie schwer bis hin zum Tode schädigen kann. So reift in Alexander ein kühner Plan: Damit sie bezüglich der Wucht des Neuen nicht der Schlag trifft, wird für sie, solange wie sie bettlägerig ist, die DDR wieder auferstehen, zumindest für die 79 Quadratmeter der Wohnung! Er betreibt mit großem Aufwand die kleine Wiederauferstehung der DDR, was vor allem im Zuge des Fortschritts mit viel Mühen verbunden ist, und Unvorhergesehenes beinhaltet. Je länger er sich bemüht, seiner Mutter die DDR vorzuspielen, um so mehr verwickelt er sich in Widersprüche. Es wird immer schwieriger die Wahrheit von der Darstellung zu trennen und er und er merkt gar nicht, wie er sich darin reinsteigert...
Der Film...
...ist ein Wagnis. Einerseits eine gute Ost-Komödie zu formen, andererseits das nicht in plumpe und unkritische "Ostalgie" ausarten zu lassen. Und das ganze auch in gefühlsbetonenden Momenten zu erfassen, ohne dass der Film zu schwere Kost wird. All das ist meines Erachtens ist dem Regisseur Wolfgang Becker mit Bravour gelungen. Es wird nichts verklärt, z. B. wird das damals brutale Vorgehen der Volkspolizei gegen die Demonstranten sehr drastisch dargestellt. Aber so auch den positiven Seiten wird Raum gegeben, so wurden auch liebenswerten kleine Details der DDR wie die knuffigen Produktnamen alà "Mokka fix" (Kaffe) oder "Fillinchen" (Waffel-Brot eingebunden, sodass sich auch viele, besonders in den neuen Bundesländern, in ihrer Vergangenheit schwelgen können. Andererseits wird in diesem Film eben auch die andere Seite der Wende dargestellt, dass diese eben nicht nur Gewinner hatte und diese Mammutaufgabe alles andere als reibungslos verlief. Gut dargestellt in der Szene als der Renter resignierend meint festzustellen, dass die Jugend im Müll nach verwertbaren suchen muss, obwohl Alexander nur alte Produktgläser stöbert, um diese mit neuen Inhalt zu "reaktivieren". Auch gut dargestellt, in der Szene als Alexander mit dem Arzt über Verantwortung diskutiert.
Der Witz fehlt aber auch nicht. Eben die Probleme die Realität mit der gespielten DDR in Einklang zu bringen und vor allem die Lösungen sind oftmals brüllend komisch. So zum Beispiel, dass Alexander und sein Arbeitskollege Denis (Florian Lukas) kurzerhand die Aktuelle Kamera (Tagesschau das damaligen DDR-Fernsehens) nachdrehen, damit die Mutter fernsehen kann.
Witziges am Rande: Florian Lukas spielt den westdeutschen Kollegen von Alexander. Dabei ist er gebürtig aus Ostberlin, während Daniel Brühl in Westdeutschland aufgewachsen ist, also komplett umgekehrt.
Der Film ist zudem sehr gefühlvoll gestaltet. Es gibt viele Szenen, die einen mitfühlen lassen oder einfach beeindrucken. Zu nennen sei hier vor allem die Szene als die Mutter etwas gestärkt sich auf den Weg auf die Straße macht und der Helikopter mit Lenin Statue an ihr vorbei fliegt. Im Kino bekam ich Gänsehaut! Vor allem toll untermalt durch...
den Soundtrack...
...muss ich einfach mal extra erwähnen: Yann Tiersens furiose Musikstücke wissen es, die Stimmungen in den Szenen perfekt zu untermalen ohne sie zu dominieren oder zu überreizen. Sie wirken einfach, aber einfach genial!
die Schauspieler...
spielen ihre Rollen absolut überzeugend. Ob z. B. Daniel Brühl als Alexander, der für seine Mutter alles tut und sich mehr und mehr seine eigene DDR bastelt, oder Maria Simon, die als Ariane von Alexanders Ideen genervt ist und ihre lieben Schwierigkeiten hat, ihre Familie, den Job, und die gespielte DDR unter einen Hut zu bringen. Die Schauspieler machen es einen leicht, sich mit den Figuren zu identifizieren und im Laufe des Films mehr und mehr Sympathie zu ihnen aufzubauen.
Fazit:
Der Trailer lässt einen glauben, es handelt sich um eine Komödie nach klassischer Comedy-Machart. Das passt zu diesem Film aber ganz und gar nicht.Er ist viel mehr. Er ist eine, manchmal melancholische, manchmal sehr lustige aber vor allem herzliche Tragikkomödie, die außerdem einen kleinen Einblick gibt, in die Wirren und Schwierigkeiten der Wende und die Probleme der Leute nach solch einem fundamentalen "Systemwechsels", und die Sehnsüchte, die sich für Leute einstellen, die sich beides wünsche; die Freiheit des Westen und die berechenbare "Geborgenheit" des Ostens. Je öfter ich den Fim sehe, um so besser gefällt er mir!
Meine Empfehlung:
Hol` Dir ein paar Spreewaldgurken und ab mit dem Film in den DVD-Player!