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Es passiert nicht oft, dass ich für den dritten Teil einer Filmreihe ins Kino gehe, von der ich die ersten beiden nur im Heimkino gesehen habe. Aber es ist auch eine Seltenheit, dass ein dritter Teil bei Kritik und Publikum gleichermaßen besser ankommt als seine beiden ebenfalls nicht schlecht bewerteten Vorgänger.

An der Handlung liegt es beim umständlich betitelten „JOHN WICK CHAPTER 3: PARABELLUM“ nicht, denn die ist noch rudimentärer als bei den ebenfalls schon sehr reduzierten ersten beiden Filmen. Hatte John Wick zuvor noch eine persönliche, emotionale Motivation (Rache), geht es nun einfach ums nackte Überleben. Und das über zwei Stunden lang, auf brutalste Weise.

JW 3 ist wohl aktuell der bislang brutalste Hollywoodfilm, der in seinen extremen Kampfszenen beinahe die Messlatte asiatischer Metzelfilme wie THE RAID 2 oder THE NIGHT COMES FOR US erreicht. Da wird in atemberaubendem Tempo geschossen, geschlitzt, gestochen und gebrochen, häufig sogar zeitgleich, man fasst es kaum, lacht ungläubig und zieht gleich Luft zwischen die Zähne, weil das da auf der Leinwand so unglaublich blutrünstig ist. Hektische Schnitte und tempomachende Musik sind dabei zum Glück Fehlanzeige, Martial Arts-Profi und Stuntman Chad Stahelski inszeniert die Kämpfe wie ein Ballet in Neon, Stahl und Blut und achtet sorgsam darauf, dass das Handwerk seiner Darsteller und Stuntleute (u. a. Mark Dacascos in einer ungewohnt charmanten Rolle) gut zu sehen ist.

Keanu Reeves, mittlerweile auch schon 55 und nicht gerade von Actionheldenstatur, schleppt seinen schlaksigen Körper schon von der ersten Szene an mit letzter Energie durch den Film und macht stets das Beste aus jeder ausweglos scheinenden Situation, durchsiebt seine Gegner förmlich mit Messern, öffnet während des Kampfes dutzende Helmvisiere für tödliche Kopfschüsse und setzt Pferde nicht nur als Transportmittel, sondern auch als Waffen ein. Dabei sieht der Film in jeder Minute großartig aus, Farbgebung und Ausstattung sind großes Comic-Kino – jenseits aller Superheldenuinversen.

Zwar kann die zweite Hälfte nicht mehr ganz mit dem Auftakt mithalten, die „Spielregeln“ und die Politik der Assassinenwelt nimmt unnötig viel Platz ein und es stellt sich im Showdown doch etwas Übersättigung ein, nichtsdestotrotz dürfte JOHN WICK 3 ein Kapitel im Handbuch des modernen Actionfilms sicher sein.

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