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"Dark Intruder" dürfte wohl hauptsächlich durch seine CAT III - Freigabe auf sich aufmerksam gemacht haben, die höchste Altersfreigabe welche in Japan vergeben wird. Zum Beispiel "Raped by an Angel, Dr. Lamb" oder auch "Ichi - The Killer" sind recht berühmte Vertreter, welche diese Freigabe erhalten haben. Doch Regisseur und Drehbuchautor Kan-Cheung Tsang fand trotz recht solider Leistung keinen Weg ins Filmgeschäft und blieb eine Eintagsfliege. Für den abgebrühten Filmfan dürfte "Dark Intruder" jedenfalls eine Enttäuschung darstellen, Grenzen werden zu keiner Zeit überschritten.

Yan (Chien-lien Wu) und ihr Freund Kwan Fai (Moses Chan) werden polizeilich wegen mehrfachen Mordes gesucht. So nimmt Yan die Identität einer Prostituierten an. Für Kwan Fai hat sie den Taxifahrer Chen Chi-Min (Yiu-Cheung Lai) auserkoren. Doch Kwan trifft erst einige Tage später in Hongkong ein, so muss Yan alleine mit der Situation fertig werden. Es gelingt ihr in Chens Wohnung einzudringen und ihn in seiner eigenen Wohnung gefangen zu halten. Doch Chens Mutter und seine Tochter sorgen für unvorhergesehen Ereignisse. Schließlich muss Yan entscheiden, ob sie sogar ein kleines Kind tötet für ihre neues Leben. Als Kwan endlich eintrifft kommt es zur Katastrophe.

Zumindest könnte "Dark Intruder" den wesentlich später entstandenen "Taking Lives" inspiriert haben, denn die Story ist ähnlich, zumindest was die Annahme der neuen Identität angeht. Leider kann Tsang das Ganze nur bedingt interessant gestalten, schon alleine weil Yan und besonders ihr Freund Kwan nur sehr oberflächlich behandelt werden. Warum sie polizeilich gesucht werden, wird erst sehr spät in kurzen Rückblenden geklärt, dabei bekam Kwan von den Polizeihunden beide Hände abgebissen. Wie er dennoch fliehen konnte und vor allem wo er sich davon erholte, wird in keinster Weise erwähnt. Ein wenig mehr Hintergrund wäre wünschenswert gewesen. So ist dem Zuschauer das Treiben ziemlich egal, auch wenn es in einigen Szenen recht intensiv wird. Immerhin gefällt der düstere Grundton, schöne Bilder bleiben aus, stattdessen präsentiert sich Japan von seiner ungemütlichen Seite, besonders was das Wetter betrifft. Jedoch hätte man sich eine bessere Musikuntermalung gewünscht, denn die sehr hintergründigen und sparsam gesetzten Sounds reichen nicht aus, um das Geschehen dementsprechend zu intensivieren. Einige spannende Momente möchte ich "Dark Intruder" dennoch nicht absprechen, beispielsweise wenn sich Yan ihren neuen Pass holt, oder später wenn unvorhergesehene Ereignisse eintreten.

Mehr durch Zufall trifft Yan auf Taxifahrer Chen Chi-Min, dessen Leben eigentlich völlig im Eimer ist. Er hat nur noch Mutter und Tochter, welche aber woanders wohnen. Also fährt Yan den Guten über den Haufen und dringt schließlich in seine Wohnung ein. Unter Folter fragt sie ihn über sein ganzes Leben aus, aber die gehörige Portion Sadismus will nicht so recht ziehen. Manchmal wirkt das Ganze einfach zu lustlos, ereignislos und auch unspannend. Es fehlt jeglicher Bezug zu den Charakteren und daran können auch die blutigen Morde und ein paar Fluchtversuche nicht ändern. Der Nebenstrang mit dem Mann der Prostituierten, deren Identität Yan angenommen hat, ist ganz nett erdacht und sorgt gegen Ende noch für Furore. Insgesamt kann Tsang seinen Film ganz gut über Wasser halten, ohne dabei Tabus zu brechen. Er bringt auch Yans aufkommende Gewissensbisse, besonders bei Chens kleiner Tochter, recht gut zur Geltung. Aber kann man bei solch einem Geschehen nicht mitfiebern ist es eben nur die halbe Miete, auch die Darsteller könnten sich mehr ins Zeug legen. Lediglich Chien-lien Wu (Blood Brothers, Cover Hard 3) kann man eine durchweg überzeugende Leistung nachsagen, ansonsten spielt sich alles auf zu durchschnittlichem Niveau ab.

Storytechnisch ist das Ganze recht interessant, aber bei der Umsetzung hapert es an einigen Ecken. Die Charaktere sind einfach zu oberflächlich, es mangelt an Spannung und Innovationen. Da helfen auch einige Brutalitäten nicht weiter, die immer dann eingestreut werden, wenn man droht das Interesse zu verlieren.

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