Review
von Leimbacher-Mario
Psychopathenstadl
Stromausfall, Blackout, die Stadt ist dunkel, Panik und Chaos und Angst und Grausamkeit brechen aus. Und obendrein tun ebendies auch noch vier der gefährlichsten Gefangenen aus der hiesigen Nervenheilanstalt und hinterlassen eine blutige Spur... Das ist die Ausgangslage von „Alone In The Dark“, nicht zu verwechseln mit den miserablen Videospielverfilmungen und in Deutschland blöd „Zwei Stunden vor Mitternacht“ betitelt. Doch was durch Poster, Trailer, Erscheinungsjahr und Beschreibung wie ein recht generischer Slasher wirkt, ist in Wahrheit mehr als das. Viel mehr. Jack Sholders Alibi-Slasher (und Regiedebüt!) ist durchzogen mit schwarzem Humor und bleibt dennoch hart und kompromisslos, irgendwie erfrischend anders und düster, clever und unterwandernd. Gut, dass ich ihn jetzt endlich entdeckt habe. Ich hoffe, da bin ich nicht der Einzige und die Rehabilitation ist nicht mehr weit. Ein kleiner Kulthit unter Horrorafficionados ist er ja eh schon. Eine Blu-ray sucht man auf unserer blauen Erde aber immer noch vergebens. Das sollte sich ändern! „Alone In The Dark“ kann jedes Halloween verschönern und gehörig überraschen.
„Alone In The Dark“ ist am ehesten ein Home Invasion-Thriller mit ein paar Slasher-Nuancen. Doch seine Psychopathen dringen nicht nur in Häuser und die Privatsphäre einer Familie ein, sie dringen auch in die Psyche unseres Helden und somit auch unsere. Eine Welt, die selbst scheinbar schon über die Grenze zum Wahnsinn getreten ist, hat vielleicht nichts Anderes verdient als mordende Monster auf der Flucht. Vielleicht sind diese sogar nichtmal das Schlimmste, was da draußen lauert... Durch solche gewagten Thesen und diesen subversiven Ansatz, bringt „Alone In The Dark“ viel mehr auf die Wage, als das Auge zuerst zu sehen scheint. Und obendrauf gibt es ein paar saftige Kills, eine seltsam-apokalyptische Atmosphäre und einige böse Twists und Überrachungen. Ich sage nur Nasenbluten... Und wem das noch nicht reicht, dem kann man kaum noch helfen und muss mit drei grandios aufspielenden Legenden kommen, nämlich Jack Palance, Donald Pleasance und Martin Landau, die selten derart abgründig, extrovertiert und angsteinflössend gespielt haben. Allein das ist jedes Eintrittsgeld wert. „Alone In The Dark“ ist bitterböse, nachdenklich und höllisch spannend. Auch weil die „Guten“ sehr sympathisch und realistisch wirken. Da verzeiht man ein paar Hänger zwischendrin.
Fazit: kein normaler Slasher, sondern fast ein verkannter Horrorklassiker der frühen 80er. Mit großen Namen und noch größeren Performances. Spannend und immer auf der Kippe zum Durchdrehen. Verrückt gut! Palance, Pleasance, Landau - was für eine (un)heilige Dreifaltigkeit!