Na wer hätte das gedacht? Eine belgisch-holländische Gangsterserie - Können die sowas? Und ob!
Nicht zu verwechseln mit einer bulgarischen Serie (dies hier scheint ein Remake zu sein), erzählt "Undercover" von einem erfahrenen Ermittler, der sich mit einer jungen Kollegin zusammen als Paar auf einem Campingplatz einmietet, auf dem der größte Ecstasy-Produzent des Landes mit seiner Sippe wohnt. So versucht man, sich langsam mit den Proletariern vor Ort anzufreunden, was auch zaghaft gelingt, aber nicht ganz ungefährlich ist. Denn hinter der Fassade recht harmloser Zeitgenossen verbergen sich hartgesottene Gangster, die über Leichen gehen. Vor allem die rechte Hand des Obergangsters Ferry Bouwman wird gegenüber den Neulingen zunhemend misstrauisch.
Und so behandelt die erste Staffel, wie das Cop-Duo das Gangster-Imperium auf dem Campingplatz nach und nach unterwandert und schliesslich zu Fall bringt.
Das Ganze ist superspannend und bietet zwei äusserst charismatische Charaktere auf, die die Staffel im Alleingang tragen. Tom Waes, in seiner Heimat weniger Schauspieler, sondern mehr als Fernseh-Entertainer bekannt, gibt den Cop Bob, Frank Lammers den abstoßend-charismatischen Gangsterboss Ferry. Raymond Thiry gibt den Vollstrecker der Bande, Ferrys Schwager John. Auch ein markantes Gesicht mit enormer Aura. Und dann ist da noch Danielle, die Friseuse. Nicht die Hellste, aber Ferrys große Liebe. Über sie wollen die Ermittler an Ferry herankommen.
Staffel 2 muss weitestgehend auf Ferry verzichten, da dieser ja nun im Knast sitzt und keine wesentliche Rolle mehr spielt. Also begibt sich Cop Bob auf eine neue Mission, nämlich der Aufklärung der Ermordung seiner Partnerin aus Staffel 1. Er kommt auf die Spur eines Bruderpaares, nach aussen hin Western-Club-Besitzer und Pferdezüchter, in Wahrheit jedoch Waffenhändler. Auch hier scheint der Schlüssel zum Erfolg zu sein, die Brüder gegeneinander auszuspielen.
In Staffel 3 geht es um ein neues Drogensyndikat mit Wurzeln in der Türkei. Um hier weiterzukommen benötigt Bob die Hilfe von Ferry, der dafür aus dem Knast geholt wird. In Erwartung von Straferlass für seine Mithilfe, nähert sich Ferry seinem Kumpel Bob wieder etwas an, lässt aber nichts unversucht, sein eigenes Süppchen zu kochen und den Verräter Bob zu hintergehen.
Am Ende der Serie scheidet Bob aus seiner Undercover-Tätigkeit aus und widmet sich seiner Familie. Ferry ist verarmt und von allen Freunden und seiner Liebe verlassen und steht vor den Scherben seiner Existenz.
Was den Reiz dieser Serie ausmacht? Die spannende Inszenierung, der hohe Realismus-Gehalt und vor allem das Charisma des Gangsterbosses Ferry, der nach Ende der Serie noch zwei Filme und eine eigene Serie spendiert bekam. Wie auch Polizist Bob, kann man als Zuschauer in diese abstrakte Welt der Gangster-Proleten eintauchen und wird zwischen Fazination und Abscheu pendeln. Eine doch recht starke Serie, deren erste Staffel aber die weitaus beste bleibt.