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Inspektor Lau (Andy Lau) ist ein Spitzel für den Gangsterboss Sam (Eric Tsang). Er wurde bei der Polizei eingeschleust, um eben dieser immer einen Schritt voraus zu sein. Doch zu ihm gibt es ein Gegenstück: Yan (Tony Leung) ist verdeckter Ermittler gegen Sam. Per Morsezeichen kommuniziert er mit dem Oberbullen Wong Chi Shing (Anthony Wong), der als einziger seine Identität bezeugen kann. Also versuchen jetzt beide Organisationen die jeweiligen Maulwürfe zu enttarnen. Als dann jedoch Wong umgebracht wird, steht Yan zwar ohne Identität da, die Situation ist aber soweit wieder ruhig: Lau steigt in der Polizeihierarchie auf und muss sich keine Sorgen mehr um etwaige Nachforschungen machen (er hat ja jetzt alles in der Hand). Doch Yan kommt schließlich doch hinter das Geheimnis...

Obwohl die Geschichte schon etwas kompliziert ist, hat man zu keiner Zeit das Gefühl, den Faden zu verlieren. Denn ungewohnt ist eigentlich nur die Ausgangssituation, der weitere Verlauf eher simpel. Auch hilft die übersichtliche Inszenierung beim Nachvollziehen des Geschehens. Auf überflüssigen Storyballast wird größtenteils verzichtet, denn nur was tatsächlich für die Entwicklung relevant ist, bekommt eine Szene. Lediglich Sequenzen, die spezifisch für einen der Protagonisten sind und sich nicht richtig in die Hauptstory verflechten lassen, werden darüber hinaus noch berücksichtigt. Dabei kommen die Mädels, die hinter den Männern stehen durchaus etwas kurz; die Auftritte von Laus Frau und Yans Psychiaterin lassen sich jeweils an einer Hand abzählen. Hier hätte man vielleicht noch etwas dicker auftragen können. Die ansonsten einseitige Gewichtung ist aber sehr förderlich für den Storyfluss und erstickt aufkeimende Langeweile im Keim, wenn man sich mit dem Thema anfreunden kann.

Action gibt es nämlich nicht übermäßig viel. Der Film versucht viel mehr ein super-trockener Thriller zu sein. Dazu verwendet er genretypisch ab und zu einen dezenten Blaufilter, damit das Geschehen besonders kühl erscheint; trotzdem gibt es ausreichend Dramatik. Als Wong stirbt, zieht auch das Tempo mal ordentlich an; ansonsten sind es die Protagonisten und ihre Situationen, die für Dramatik sorgen. Lau hat eine scharfe Frau daheim, mit der er duchaus ein vollendetes Familienglück teilen würde. Bei der Polizei will er sich auch gerne hocharbeiten, der Gangsterboss in seinem Rücken erinnert ihn aber stets an die Falschheit seines Treibens. Yan hingegen hat es auch extrem schwer, denn so isoliert wie er ist wohl selten jemand. Schon 10 Jahre undercover, keine Chance, eine richtige Beziehung aufzubauen, dient ihm seine Psychiaterin als gedankliches Refugium. Der bewegende Aspekt um die Psychen der Hauptdarsteller ist ein schöner Kontrast zum ernsten Treiben im (Schein-)Beruf.

Die Darsteller sind mal wieder erster Güte. Mit Andy Lau und Tony Leung in den Hauptrollen kann ja praktisch nichts mehr schief gehen (sollte man meinen). Die beiden liefern hier eine ebenbürtige Show ab und stellen die Nebendarsteller deutlich in den Schatten. Dabei will ich an Anthony Wong gar nicht rummeckern und Eric Tsang spielt ja sowieso wie immer. Das stete, selbstzufriedene Grinsen in Tsangs Gesicht finde ich jedoch etwas unpassend für den Gangsterboss. Der Score erweist sich als sehr gelungen komponiert und begleitet das Geschehen passend.

Insgesamt ist "Infernal Affairs" ein stellenweise arg ernster Thriller mit einer interessanten, fesselnden Geschichte, die leicht konsumierbar präsentiert wird, sowie zwei tiefsinnigen Individuen, dargestellt von toll aufgelegten HK-Stars.

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