Review

Eins vorneweg: Ich bin kein großer Fan des Hong-Kong-Kinos.
Die Filmmusik ist nicht sonderlich gut, die Darsteller sind höchstens mittelmaß und es wird derart auf Melodramatik gesetzt, dass einem so manches Mal der Schädel zu platzen droht.
Sicherlich gibt es da die großen Ausnahmen wie Bruce Lee in den 70ern, Jackie Chan in den späten 70ern und frühen 80ern oder John Woo in den späten 80ern und frühen 90ern.
Doch egal wie gut deren Filme waren, so blieb ihnen doch immer der Makel des etwas Billigen anhaften.
Das heißt nicht, dass diese Filme schlecht waren oder dass ich sie ungern gesehen habe, doch irgendwie sah man den Filmen immer ihr vergleichweise niedriges Budget an. Das wird vor allen Dingen in John Woos äußerst stylischen Filmen überaus deutlich, die trotz ihrer enormen Athmosphäre für mich immer obwohl grandiose Filme immer irgendwie "hätten besser in Szene gesetzt werden können".
Wie gesagt, das ist eine persönliche Meinung.

Und dann, gerade als das Hong Kong Kino bei mir eigentlich gar keine Chance hatte, trat Infernal Affairs hervor.
Dieser Film ist alles, was Hong Kong nie so richtig war:
Richtig gutes Kino mit richtig guten Darstellern, einer richtig guten Story, nicht mehr allzu viel von dieser überspitzten Melodramatik (welche ja beispielsweise die Woo-Filme auszeichneten), mit einer äußerst ansprechenden Optik und mit möglichst wenig Raum für irgendwelche Geschwätzigkeiten.

Hier spielen zwei Superstars des Hong-Kong-Kinos mit- und gegeneinander und man weiß von vornherein nicht so recht, wie der Film ausgehen wird.
Denn die äußerst pessimistische Grundhaltung des Films wird äußerst geschickt durch eine frabenfrohe Bebilderung nahezu bis zum Ende perfekt unterwandert. Ja, man hat geradezu das Gefühl, dass dieser Film vielleicht sogar so ähnlich wie Fulltime Killer den Zuschauer versöhnlich zurück läßt, indem er beide Protagonisten irgendwie gewinnen läßt.
Doch das entpuppt sich als trügerische Hoffnung, es wird nur einen Gewinner geben, oder wird es überhaupt einen Gewinner geben?

Über die Handlung etwas zu erzählen, wäre Eulen nach Athen zu bringen, sie ist hinlänglich bekannt. Über die Schauspieler etwas zu sagen, ist ebenfalls kaum nötig, höchstens dies: Die Geschichte steht hier ganz eindeutig im Vordergrund, so sind die Darsteller teilweise entweder unterfordert oder sie spielen nur auf Autopilot, was jedoch dem Filmgenuß niemals abträglich ist.

nicht umsonst wird dieser Film in seiner Trilogie betrachtet als der Hong-Kong-Pate angesehen. Ähnlich düster, ähnlich konsequent, ähnlich hochqualitativ kommt dieser Film daher.

Dabei ist vor allem aber das kompromißlose grandiose Finale hervorzuheben, dass in seiner Schnonungslosigkeit dennoch einen Hauch von Happy End (?) versprüht.

Nicht umsonst ist dies mittlerweile ein Klassiker des neuen asiatischen Films und nicht zuletzt gab es kürzlich ein US-Remake, welches den Vergleich durchaus standhalten kann.

Grandioser Film: 9 Punkte

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