Zu diesem ganz offensichtlich "ungewöhnlichen" Film - ungewöhnlich, weil dessen Komplexität schwer einzuordnen ist, wohl am ehesten noch als Charakterdrama zu titulieren - liegt es mir nahe, den Film etwas anders zu betrachten. Zunächst stellt sich für die beiden Cops oder Gangster, wie man es nimmt, kein Fall oder Verdächtiger, der hier den Polizisten sonderlich zu schaffen macht, es ist viel mehr der Beruf an sich, dessen Belastung für den aufrichtigen Gesetzeshüter die Konfrontation mit dem Abgrund mit sich bringt - bis zum absoluten Identitätsverlust.
Ming ist ein kluger Ganove, mit Sinn für ausgefeilte Tricks. Van ein junger Cop, der für die Bekämpfung illegaler Banden eingesetzt wird. Beide kämpfen auf der Seite des anderen - verdeckt. Der Film fokussiert hierbei besonders Yan, der sein Leben quasi aufgibt für den Polizeidienst, nur ein einziger Mann ist eingeweiht, kennt sein wahres "Ich". Mit den Jahren verändern sich beide, Ming scheint wenig Interesse für sein ehemaliges Gangsterdasein zu haben, an Macht in der Verbrechensbekämpfungsbranche findet er Geschmack. Auch hier fokussiert "Infernal Affairs" Yans Veränderungen, seine Einstellung ändert sich, aus drei Jahren sind letztlich zehn Jahre geworden, sein "altes" Leben hat keinen Wert mehr, weil er es abgeschüttelt hat. Im Grunde genommen, hat er sein Leben verloren und seine Identität.
In der facettenreichen Story spiegelt sich vor allem der Polizeidienst wider: So, wenn sich Polizeiinspektor Wong und Yan treffen, scheint es kein Zufall zu sein, dass sie dies auf dem Dach eines Hochhauses tun, über bzw. abseits von Recht und Ordnung. Der Grund ist simpel, selbst untereinander können sich die Polizisten kein Vertrauen mehr schenken. Genau wie in Scorseses Remake "Departed" steht am Ende die finale Eskalation, Polizisten töten Polizisten, Polizisten jagen Polizisten.
"Infernal Affairs" ist durchkomponiert und eingelegt in dunkle, düstere Bilder, lässt dennoch keine homogene Atmosphäre aufbauen, ob das gut oder schlecht ist sein mal dahin gestellt. Komischer Weise wird es genau, wie Scorseses "Departed" zu einem kleinen Problem. Im asiatischen Original ist die Diskrepanz zwischen den düsteren Bildern und z.B. der sterilen Visualisierung der Innenräume arg heftig, so entsteht am Ende ein leicht irreales Feeling, genauso bei "Departed", resultierend aus der glatt gebügelt wirkenden "Postkarten-Optik". Letztlich handelt es sich bei beiden Werken um nennenswerte Filme, aber keine Überflieger. Scorsese dichtet selbige Geschichte gekonnt um, ist in Sachen Länge weit voraus, diese fehlt bei "Infernal Affairs" etwas, dafür läuft eben dieser niemals Gefahr, schauspielerisch zu unterliegen. Nur schade, dass Teil zwei nicht mehr an den ersten heranreicht - aber man ist es ja nicht anders gewöhnt, im Milieu der Fortsetzungen!