Die 90er sind vorbei, und das Hongkong-Kino, einst für seine Actionfilme der John Woos und Ringo Lams bejubelt, ist in einer Krise. Da die Hollywoodfilme und die Produktionen aus Südkorea immer mehr die Eigenproduktionen aus dem Box Office verdrängen, musste man sich in Hongkong neu organisieren. Die Zeiten des "heroic bloodshed" sind nun vorbei - die Zeit einer Art des Filmemachens, die mehr an westliche Traditionen erinnert, ist angebrochen. "Infernal Affairs" ist das erste, wahre Highlight dieser Ära.
"Infernal Affairs" ist das Aushängeschild für das "neue" Hongkong-Kino, und schon allein die Besetzungsliste lässt dem Kinofreund das Wasser im Munde zusammenlaufen: Andy Lau ("Fulltime Killer", "Days of Being Wild"), Tony Leung ("Hero", "In the Mood for Love", "Bullet in the Head"), Anthony Wong ("The Untold Story", "Visible Secret", "Violent Cop") und Eric Tsang ("Three", "Gen-X-Cops", "Hongkong Love Affair") geben sich hier die Klinke in die Hand, und formieren ein wahrhaftes "Hongkong-Cinema-Allstar"-Ensemble, das wirklich vorzüglich funktioniert, auch wenn Wong und Tsang hier die Rollen miteinander getauscht haben, die man sonst mit diesen Namen verbinden würde.
Die Geschichte, die sie spielen, ist kompliziert, spannend und schön in Szene gesetzt: Der Drogendealer Sam (Tsang) zieht bisher unbescholtene, junge Mitstreiter als Polizisten auf, um später gut ausgebildete und reputative Maulwürfe in wichtigen Positionen sitzen zu haben. Lau Kin Ming (Lau) ist einer davon. Lau ist ein dekorierter Cop in der Abteilung für Organisiertem Verbrechen, und kann seinem Boss per Mobilfunktelefon die neuesten Pläne seitens des Gesetzes durchgeben. Doch auf ähnliche Weise bekommt auch Superintendend Wong (Wong) seine Informationen zugespielt: Der ehrgeizige Cop hat selber einen V-Mann bei Sam sitzen, der schon seit 10 Jahren seine rechtschaffene Identität verleugnet, und als Gangster für die Polizei arbeitet: Chan Wing Yan (Leung).
Eines Nachts ist Wong sehr nahe daran, Sam endlich auf frischer Tat zu ertappen. Doch natürlich bekommt dieser in letzter Sekunde einen rettenden Tipp, und kann alle Beweise von sich weisen. Dennoch kommt es zu einem knisternden Meeting der beiden Rivalen, bei dem klar wird, dass jeder einen Spitzel bei dem jeweiligen Konkurrenten unterhält. Das Katz-und-Maus-Spiel wird schlussendlich immens auf die Spitze getrieben, als beide "Schuldigen" jeweils den Auftrag bekommen, den Maulwurf ausfindig zu machen, also "sich selber zu suchen": Lau wird in die "Interne Abteilung" befördert, und Yan, der großes Vertrauen bei Sam genießt, bekommt die Aufgabe, zur Not per Waffengewalt den illoyalen Mittelsmann zum Schweigen zu bringen.
Die beiden Regisseure Andrew Lau und Alan Mak haben ein wirklich knisternd-spannenden High-Tech-Thriller geschaffen. Die brisante, emotionale Geschichte ist ausgefeilt genug, aber eben auch nicht zu sehr tiefgehend, um den Entertainmentfaktor zu gefährden. Da muss sich der anspruchsvolle Kinogänger nur mit ein paar buddhistischen Weisheiten zufrieden geben - "Infernal Affairs" ist Mainstream, und nichts anderes. Wie fast alle "Big-Budget"-Filme aus Asien ist "Infernal Affairs" natürlich auch wunderhübsch anzusehen - kein Wunder, wenn man Kameragenie Christopher Doyle als visuellen Berater verpflichten konnte.
Lau und Mak erzählen ihr Thrillerkino bis zum bitteren Ende, ohne jemals ihren sehr geradlinigen Weg zu verlassen. Seitenhiebe oder tiefere Einblicke in die Emotionalität der beiden schicksalhaften Männer findet man sehr selten. Die Frauen an den Seiten von Lau und Yan sind mehr Stichwortgeber, als wirklich plastische weibliche Charaktere, die den beiden Protagonisten Verletzlichkeit oder mehr Tiefe hätten geben können. Doch so schade, und so verschenkt jene Möglichkeiten sind, so spannend und so aufregend ist es faktisch, wenn man einen so brillanten Akteur wie Tony Leung in einem derart spannenden und konsequent erzählten Thriller zusehen darf.
"Infernal Affairs" ist gutes, solides, toll anzuschauendes Kino. Fabelhafte Unterhaltung mit einem Casting, das fast jeder Beschreibung spottet. Jedoch ist es kein Hongkong-Kino im Stil des blutverschmierten Woo-Actionkinos, noch ist es Oberflächen-zerbirstendes Drama - es ist pures, Energie geladendes Mainstreamkino. So unterhaltsam, wie spannend.