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Schon die Ausgangssituation lässt eine Tragödie erahnen: Lau ist Spitzel bei der Polizei und arbeitet in Wahrheit für Gangsterboss Sam. Yan wiederum hat sich als verdeckter Ermittler in Sams Bande eingeschleust und liefert Polizeichef Wong wichtige Informationen. Als Sam und Wong durch den Einsatz der Polizei bei einem Drogenhandel herausfinden, dass sich in ihren Organisationen Spitzel befinden, setzen sie Lau und Yan darauf an, die Verräter ausfindig zu machen. Zwischen den beiden entbrennt ein Wettlauf mit der Zeit, wer seinen Gegenspieler zuerst bloßstellt.


Ein ungeheuer spannender, elegant fotografierter und überaus komplexer Thriller, der bis zum Schluss mit drastischen Wendungen aufwartet. Die Vorlage für Martin Scorseses kongeniales Remake "Departed" wagt sich dabei an eine Storykonstruktion, die für europäische und amerikanische Verhältnisse äußerst kompliziert ist. Angesichts zahlreicher Figuren, winziger Details, die später enorme Bedeutung erlangen (zum Beispiel ein achtlos beschriebener Briefumschlag), und mitunter nur angedeuteter Begründungen für die Handlungen der Agierenden wird dem Zuschauer ein Höchstmaß an Konzentration abverlangt. Diese Anstrengung aber lohnt sich voll und ganz.

Denn die diffizile Geschichte bietet neben der ausgeklügelten Kameraführung und eindrücklichen Bildern asiatischer Großstädte eine mitreißende Figurencharakteristik, die es schwierig macht, die Fronten zwischen Gut und Böse eindeutig festzulegen. So wird immer wieder deutlich, dass Undercover-Cop Yan schon so lange unter Gangstern lebt, dass er gar nicht mehr wirklich weiß, wofür er eigentlich kämpft - im Grunde versucht er nur noch, seine eigene Haut zu retten. Und Gangster-Spitzel Lau ist hin- und hergerissen zwischen der Pflichttreue seinem Chef gegenüber und der Liebe zu seiner Frau, in deren Augen er natürlich ein "guter" Mensch sein will. Dieser moralisch ambivalente Kampf mit inneren Dämonen untermalt den äußeren Krieg zwischen Polizei und Mafia und verleiht der Story eine zusätzliche dramaturgische Dimension, die sich bis zum bestürzenden Finale immer weiter zuspitzt. Dank der exzellenten Inszenierung - extrem dynamische Musikbegleitung, schnelle Schnitte und ausdrucksstarke Bilder - entwickelt sich so ein zunehmend größer werdender Spannungssog, der einem in manchen Szenen den Atem raubt.

Zwar fallen die einleitenden ersten zehn Minuten etwas zu hastig aus, einige erklärende Dialoge wirken leider viel zu aufgesetzt und melodramatische Zeitlupen-Wiederholungen wären nun wirklich nicht nötig gewesen. Doch in den entscheidenden Szenen zeigt der Film eine formale Stringenz, die im Thriller-Genre ihresgleichen sucht. Getragen von erstklassigen Schauspielern - neben den beiden Spitzel-Kontrahenten überzeugen besonders die Darsteller des charismatischen Gangster-Bosses Sam und des getriebenen Polizeichefs Wong - entwickelt sich hier dem aufmerksamen Zuschauer ein ebenso komplexes wie in seiner Konsequenz tragisches Figurengeflecht, in dem die Rollen zwischen Jäger und Gejagtem nie ganz eindeutig verteilt sind. Besonders das von persönlicher Hass-Liebe geprägte Duell zwischen Wong und Sam erinnert ein wenig an den Kampf zwischen De Niro und Pacino in "Heat". "Infernal Affairs" ist ein komplexer, ultraspannender Thriller voller überraschender Wendungen, vielschichtiger und schmerzhaft menschlicher Figuren und tragischer Schicksale. Ein Genre-Meisterwerk!

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