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Danger Route stammt aus einer Zeit, in der im Vorspann noch sämtliche Leute würdigte, die an dem Film mitarbeiten, auch wenn sie nur für die Frisuren zuständig waren. Vielleicht haben sie die Nennung auch verdient, weil sie ihren finanziellen Obolus für das Unternehmen geleistet haben. Die Produktion sieht jedenfalls nicht aus, als ob man mit beiden Händen aus dem Vollen schöpfen konnte, sondern man mühsam auf jeden Notgroschen zurückgreifen musste.

Und das inmitten der Ära der Spionagefilme, die in der Hochphase des Kalten Krieges vermehrt für Nachfrage und durch James Bond und Co. auf der Leinwand für schillernde Abwechslung des tristen Lebens sorgten. Hierbei geschieht dies auch, allerdings in einer kaum weltmännischen und schon gar nicht phantasieorinetierten Form; dafür ist das Skript zu sehr auf das Erzählen nur eines Sachverhaltes beschränkt, was dem Film dann auch gleich seinen eingelaufenen Anzug verschafft. Es passiert alles strikt hintereinander und dann auch noch in chronologischer Reihenfolge, wobei die Betonung da auch noch auf “logisch” und damit vorhersehbar liegt. Diese Rationalität gibt dem Werk einen sehr begrenzten Eindruck; es ist sicher durchaus schön zu sehen, dass fast alles in wenigen Tagen an sehr wenigen Orten geschieht; aber wenn dann noch die Aufregung fehlt, hat man auch vom Platzsparen nichts mehr. Angelsächsisches Beharrungsvermögen auf Kleingeistigkeit schön und gut, aber bitte in einem Krimi und nicht in einem angedeuteten Actionthriller.

Die gegebene Konventionalität kommt von den Autoren Meade Roberts und Robert Stewart, welche sich auf den Roman „The Eliminator“ von Christopher Nicole bezogen. Nicole hat in den 60ern unter dem Pseudonym Andrew York eine Reihe von Büchern geschrieben, von denen aber keines mehr die Ehre einer Verfilmung bekam und auch sonst nicht in das Bewusstsein der Menge gelangten; aber mit Titeln wie „Agentenkiller“, „Beute für den Henker, „Ein Streichholz ans Pulverfaß“, „Eine Falltür für den Henker“, „Klar Schiff zum Mord“, „Mix mir einen letzten Drink“ und „Tauchgang in den Tod“ ist ausserhalb eines Bahnhofskiosk auch nicht Ruhm und Ehre und schon gar nicht gross Geld zu machen.
Der Film passt sich dann nur den Vorgaben an; bleibt also der Vorlage werkgetreu, auch löblich.

Die Produzenten hatten aber sicherlich mal Grösseres geplant; anders lässt sich zumindest nicht die optische Ähnlichkeit ihres Hauptdarstellers mit dem Konterfei von Sean Connery erklären. Auch einige Marotten erwecken durchaus Erinnerungen; die deutsche Synchronisation toppt dies noch, indem sie Richard Johnson von Connerys Stammsprecher Gert-Günter Hoffmann vertonen lässt. Widerlich, einfach widerlich.
Johnson ist nämlich nur die Schmalspurausgabe von 007, da hilft auch die übermässige, unnatürliche Bräunung nicht – könnte glatt Louis Koo Konkurrenz machen – und auch nicht die Tatsache, dass man laut Hörensagen die erste Wahl von Terence Young für das Konkurrenzprodukt gewesen sein soll.
Sein Agent hier hat trotzdem nur die Gemeinsamkeit, dass man wohl ebensolange im Dienst ihrer Majestät ist. Zumindest sind es im Moment für Wilde genau ein Dutzend Jahre; in der Zeit wurden 31 Aufträge erledigt und mit je 3000 Pfund begütet. Wenigstens ist man ehrlicher und kleidet die Missionen gleich mit dem Titel „Mord“ aus statt nur wage Hinweise zu geben, aber das macht das schmale, charmelose Männchen hier auch nicht gefährlicher. Statt Martini steht Bacardi mit Soda und Eis auf dem Getränkeplan; morgens, mittags, abends und manchmal auch nachts. Noch spiessiger ist man in seinem Privatleben: Wilde hat nämlich die feste Freundin Jocelyn [ Carol Lynley ], deren Londoner Wohnung er bezahlt und mit der er auch zusammenlebt, wenn er nicht durch die Weltgeschichte reist.
[ Die Freundin arbeitet übrigens für ein Marktforschungsinstitut und muss grad Umfragen über Hundefutter durchführen. Sexy. ]

Wilde fühlt sich mit seinen 37 Jahren auch mittlerweile statt jung und lässig auch müde und gereizt und damit zu alt für seinen Job; die Kündigung steht also demnächst an und wird auch schriftlich an seinen Chef Tony Canning [ Harry Andrews ] festgehalten. Doch mit dem Ausstieg und sich von der Marktforscherin den Lebensabend verpflegen lassen wird erstmal nichts, prompt wird nämlich der nächste und natürlich letzte Auftrag aus dem Hut gezaubert. Jeder der schon mal einen Film gesehen hat, indem es nicht nur um Liebe ging weiss jetzt auch, was nun folgt und genau das tritt auch ein: Der Job ist eine Falle und soll nicht nur für sein Opfer, sondern auch für ihn den Abschied bedeuten. Und zwar den endgültigen, ohne Ansprüche auf Pension und Dank von König, Volk und Vaterland.

Nun ist trotz aller Häme die erstmalige Konzentration auf das bürgerliche Leben eines beamteten Berufskillers gar nicht mal so übel; wirft zumindest von einer anderen Warte aus den Blick auf diesen Stand der Dinge. Da Wilde immer weg ist, hat sich seine Freundin einen eigenen Freundeskreis geangelt, mit dem er gar nichts anfangen kann. Und auf abendlichen Parties den französischen Gitarrenspieler und seine Clique mit der Handkante vor die Tür setzen geht ja auch nicht ständig.

Doch trotz aller Bodenständigkeit wirkt der Zustand hier noch lange nicht realistisch; trübe genug um jeden Gedanken an die Weltreisen eines Bond vergessen zu machen, aber irgendwie auch viel zu nah am eigenen Leben des Publikums dran. Wer will schon zusehen, wie dem eigentlich anzubetenden Superagenten irgendwelche Schnösel die Wohnung zukrümeln; dass kann man auch alleine mit der lieben Bekanntschaft haben.

Abseits dessen wird auch sonst keinerlei Exzess geboten. Man bleibt ausdrücklich im eigenen Lande und erzählt nur von Reisen - wodurch allein nichts bunter im Bildkader wird – und man fokussiert wirklich nur auf diesen einen einzigen Auftrag. Der dazu auch noch ziemlich provinziell ist und nicht ein Stück Welt rettet: Wilde soll möglichst ohne Aufsehen in ein Gutshaus gelangen und einen sich dort aufhaltenden Überläufer erledigen, welcher als Biochemiker mögliche Informationen über einen Bakterienkrieg weitergeben will. Alles Lug und Trug, dafür sind aber die bewachenden CIA – Agenten echt; darunter auch der beste Mann von Amerika, Lucinda [ Sam Wanamaker ].
Bond hätte jetzt wahrscheinlich etwas zusammengebastelt, die Bude gesprengt und Schutt, Asche und Tote hinterlassen; Wilde schmeisst sich an die etwas füllige Wirtschafterin ran und becirct sie solange, bis er auf ein heimliches Schäferstündchen eingeladen wird. So im Haus drin versteckt er sich vor Fremden im Wandschrank, futtert der mollig – betagten Hausfrau ihre Butterstullen weg und lässt sich zum Zeitvertreib Bier und Zeitung bringen. Kennt er wahrscheinlich so von Zuhause. Das zahlende Publikum aber auch; fehlt nur noch die Sportschau.

Die gepflegte Regie von Seth Holt, der vorher solch Gewaltreisser wie Das Glück kam über Nacht, Titfield – Express und Liebeslotterie gedreht hat, fällt bei derartigem Anschauungsmaterial natürlich gar nicht auf; wer es ruhig, friedlich und abgeschottet mag fühlt sich nicht nur bei der gezeigten Geographie pudelwohl. Beengte Autos, Häuser, Zugabteile und Boote geben symbolisch für den Aufwand die Szenerie für den Machtkampf des wenigen Personals vor; man endet dann genauso mitreissend, wie man angefangen hat.
Dazwischen hat man sicherlich seine Momente; aber wenn die eigene Mutter bei der Sichtung wahrscheinlich mehr auf ihre Kosten kommt, stimmt irgendwas nicht.

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