Diese Reihe von „Gesichter des Todes“ ist bekanntermaßen recht makaber und hinterlässt je nach Alter und Sehgewohnheiten des Zuschauers einen stets zwiespältigen Eindruck.
Im Teenageralter hat man sich die Teile oft als eine Art Mutprobe oder Adrenalinkick gegeben. Wir waren stets in dem Glauben, das alles echt sei. Mittlerweile denke ich, dass mindestens 80 Prozent der Todesszenen gefaket sind.
Dr. Francis Gross hatte keine Lust mehr auf die Pseudodoku und lässt sich im Krematorium selbst noch ein letztes Mal sehen. An seine Stelle tritt nun James B. Schwartz. Neurochirurg und Hobbymusiker (!). So kommentiert er mal schwarzhumorig makaber, mal unausstehlich moralisierend diverse Todesszenen und Unfälle und reißt dabei stets seine Augen auf, als würde er gleich mit dem Skalpell auf den Kameramann losgehen.
Beginnend mit einer Geiselnahme in einer Nervenklinik, über zahlreiche Unfallopfer bishin zu politischen Unruhen reiht sich eine makabere Szene an die nächste. Das Bein eines Mannes wird durch die Achse eines Autos abgetrennt, der Magier Orendo haut sich eine Nagelmaske ins Gesicht und die Katastrophe von Ramstein wird auch untergebracht.
Eine Frau gerät unter ein Motorboot, ein Steuersünder wird viergeteilt und bis Minute 54 kommt man glücklicherweise ohne Tierszenen aus.
Dann folgen Schlachtszenen von Schweinen und die Zubereitung eines Welpen in der Thaiküche. Beide Szenen sind leider real.
Bei genauerem Hinsehen wird man feststellen, dass Kameraführung und Schnitte recht sorgfältig für einen zufällig aufgenommenen Film in einer Extremsituation arbeiten, wodurch auch viele Fakes als real durchgehen. Dem kommt ferner die mindere Bildqualität des Materials zugute, was durch Verwackeln noch verstärkt wird.
Besonders gegen Ende werden die Fakes offensichtlicher: Eine Schwimmerin wird einen mutierten Blutegel nicht mehr los. Mutiert, weil nebenan ein biologisches Institut die Abfälle im Wasser entsorgt. - Der beste Stoff für einen abgefahrenen Trashfilm.
Abschluss des Ganzen bildet dann der Song „Faces of death“. Vom Kommentator selbst komponiert und inspiriert durch den Bühneneinsturz bei einem großen Orchester…
Natürlich ist auch dieser Teil jenseits des gesunden Menschenverstandes und sollte mit mindestens einer Folge Mr.Bean quittiert werden, sonst wird man blöde.
Dennoch geht das Konzept auf, wenn man sich dabei ertappt, der voyeuristischen Perversion in einem zu begegnen. Und von der kann man sich nun mal nie vollkommen freisprechen. Eine etwas andere Prämisse entsteht allerdings, wenn man nicht mehr auf Adrenalin aus ist, sondern sich das Material vornimmt, um teilweise gutgemachte FX zu entdecken…
3 von 10 Punkten