Eine weitere Dame aus dem Totenreich erweitert die Runde der rastlosen Rachegeister. Da Lilith zwar namentlich bevorzugt wird, Nachnamen im Kreise der Unruhestifter mittlerweile völlig untergehen, wird die Chose nunmehr unter „American Poltergeist“ zusammengefasst.
Als Alice und Lauren in einem Esoterik-Laden eine angeblich unverkäufliche Schatulle mit einem Schrumpfkopf entdecken, stibitzen sie diese kurzerhand und leiten sie an Hunter weiter, der mit seinem Podcast „Nach dem Tode“ recht erfolgreich ist. Trotz einer eindringlichen Warnung veranstaltet Hunter an Halloween ein dubioses Partyspiel mit dem Schrumpfkopf, welcher einst Lilith Ratchet repräsentierte…
Rund 15.000 Dollar soll das Projekt von Autor und Regisseur Eddie Lengyel nur gekostet haben und leider sieht es auch weitgehend danach aus. Ein Flashback, bei dem die Hintergrundgeschichte der titelgebenden Furie durchleuchtet wird, bildet da eine minimale Ausnahme, der Rest wirkt doch recht amateurhaft, was Darsteller, Ausstattung, Score und Effekte anbelangt.
Folgerichtig macht sich das Übermaß an Dialogen während der ersten Hälfte negativ bemerkbar, denn die Figurenzeichnungen tendieren gegen Null, es gibt keinen Sympathieträger und aufgrund der schwachen Synchro möchte man den einen oder anderen Charakter etwas früher ausscheiden sehen. Das Partyspiel, bei dem mit dem Schrumpfkopf eine Variante von „Reise nach Jerusalem“ veranstaltet wird, klingt auf dem Papier herrlich makaber, doch auch diesbezüglich mangelt es an frischen Einfällen und Inspiration.
Dieser Punkt kristallisiert sich mit dem Erscheinen des weiblichen Dämons noch deutlicher heraus, denn über die konventionellen kurzen Erscheinungen im Rückspiegel eines Fahrzeugs oder dem Vorbeihuschen am Fenster kommt das Geisterhafte kaum hinaus. Miss Ratchet ist mit weißen Klüsen, langen schwarzen Fingernägeln und Piranhazähnen zwar okay ausgestattet, aber die Herkunft einer zweitklassigen Schauspielerin unter einer zweckdienlichen Maske, die sich phasenweise unsicher bewegt, ist insgesamt unübersehbar.
Auch die Ableben, deren Reihenfolge bereits während des Partyspiels festgelegt wurde, begeistern trotz handgemachter Effekte nur wenig. Anfangs werden Augen eingedrückt, jemand wird im Off überfahren, es gibt kleine Cuts aufgrund der Fingernägel und einen erahnbaren Genickbruch. Das geht alles locker mit einer FSK16 konform.
Eine schlichte Geschichte muss nicht zwangsläufig mit viel Brimbamborium vorgetragen werden, doch ein wenig mitreißen sollte sie schon. Dies ist Macher Lengyel allenfalls in Ansätzen gelungen, zumal das unausgegorene Drehbuch Figuren in die Runde wirft, die irgendwie am Rande mitmischen, um später komplett zu verschwinden. Wenig Spannung, minimales Blutvergießen, ein kaum vorhandener Showdown und nur sehr selten ein wenig Gruselstimmung, - der Schrumpfkopf kann zurück in die Kiste.
3 von 10