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Bereits 1962 erschien die literarische Vorlage von Shirley Jackson, von der, bis auf den Gruselklassiker „Bis das Blut gefriert“ bislang kaum etwas verfilmt wurde. Parallelen der beiden Stoffe sind zwar unverkennbar, doch hat man es hier eher mit einem Drama mit Mystery Anleihen zu tun.

Die Schwestern Merricat (Taissa Farmiga) und Constance Blackwood (Alexandra Daddario) leben gemeinsam mit ihrem Onkel (Crispin Glover) seit rund sechs Jahren weitgehend abgeschottet in dem abseits gelegenen Herrenhaus in Vermont. Im Dorf meidet man die Blackwoods seit einer Familientragödie, doch mit der unerwarteten Ankunft von Cousin Charles (Sebastian Stan) wird der Bund der Schwestern auf eine harte Probe gestellt…

Regisseurin Stacie Passon räumt den Figuren genügend Raum für ihre Marotten ein. Während Mauerblümchen Merricat dazu neigt, für Bannsprüche und einige Rituale regelmäßig Utensilien im Garten zu begraben, lächelt Constance Probleme einfach weg. Aufgrund ihrer Agoraphobie kann sie das Haus nur für wenige Meter verlassen, doch auch Merricat ist der Aufenthalt im Dorf ein Graus, was hinsichtlich vieler Anfeindungen kaum wundert.
Als Cousin Charles erscheint, nimmt ihn Merricat wie einen Eindringling wahr und tatsächlich verhält sich der Verwandte nach einiger Zeit nicht mehr wie ein Gast auf Durchreise.

Viel ereignet sich im Grunde nicht, die Konzentration auf das überschaubare Figurengefüge funktioniert zwar weitgehend, doch viele Begebenheiten wiederholen sich lediglich oder steigern sich leicht, wie etwa Merricats Bemühungen, Charles vom Hof zu treiben, bevor dieser Constance vollends für sich gewinnen kann. Der latent bedrohliche Unterton zündet immerhin, doch auf einschneidende Ereignisse wartet man bis zum Showdown nahezu vergebens. Da kracht es dann indes gewaltig, wenn auch nicht auf physischer Ebene.

Glücklicherweise können die treffend besetzten und mit viel Präsenz agierenden Mimen einen Großteil der überaus ruhigen Erzählung tragen. Taissa Farmiga balanciert mit ihrer überaus unbeholfenen Art der Fortbewegung oft am Rand einer Karikatur, während das eingefrorene Lächeln von Alexandra Daddario zuweilen Bände spricht. Sebastian Stan übernimmt den Part des latent Unberechenbaren, was in einigen Szenen sehr eindringlich transportiert wird.

Die Ausstattung (Ende Fünfziger, Anfang Sechziger) ist überaus gelungen, die Kamera arbeitet schnörkellos, jedoch stets versiert und auch der Score hält sich angenehm im Hintergrund ohne in entscheidenden Momenten zu dick aufzutragen. Schade nur, dass die unausweichliche Eskalation des Gefüges nicht ein wenig beherzter angegangen wurde, denn obgleich der Streifen nie langweilig wird und mit leicht verschrobenem Humor durchzogen ist, - übermäßig spannend ist er bis zum Schluss nicht.
5,5 von 10

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