Eventuell werden sich einige nach der Sichtung von „I See You“ in Sachen Gruselfaktor auf Helen Hunt stürzen. Tatsächlich ist die Oscargewinnerin aufgrund unnatürlicher Gesichtsstraffungen kaum wieder zu erkennen und nur ansatzweise zu einer glaubhaften Mimik fähig, wodurch sie ihren durchweg soliden Kollegen meilenweit hinterherhinkt.
Die ansonsten überzeugende Optik wird dadurch allerdings nicht maßgeblich beeinträchtigt.
Teenager Connor (Judah Lewis) ist stinksauer auf seine Mutter (Helen Hunt), weil sie ihren Mann Greg, seines Zeichens Cop, hinterging. Derweil sorgt das spurlose Verschwinden eines Teenagers im Ort für Aufregung, während Connor merkwürdige Veränderungen im Elternhaus registriert…
Regisseur Adam Randall führt den Betrachter geschickt an der Nase herum, indem er seinen Stoff wunderbar nebulös gestaltet. Da geht es einerseits um Ermittlungsarbeiten im Kontext mit einem ähnlich gelagerten Fall in der Vergangenheit, während im Hause der Familie paranormale Begebenheiten vorzufinden sind, die oftmals nur am Rande eine Rolle spielen.
Mal verschwindet ein Foto von der Wand, dann ist der Besteckkasten komplett leer, an anderer Stelle berichtet ein Handwerker von einem Mädchen im Haus und manche Türen schließen sich und werden von außen blockiert. Lange Zeit weiß der Zuschauer nicht mehr als die Bewohner des Hauses und einige Male führen diverse Begebenheiten auf die falsche Fährte.
In der zweiten Hälfte wird die Geschichte um eine zusätzliche Perspektive erweitert, was zwar einen geschickten Schachzug darstellt, im Endeffekt jedoch zuviel und zu ausführlich zu erklären versucht. Die eine oder andere Sichtweise erfährt eine grantige Note und gegen Ende erhält man eine weitere Deutung des ohnehin schon vielschichtigen Titels.
Sehen und gesehen werden, - eine Frage der Sichtweise.
Obgleich insgesamt clever aufgebaut und zuweilen mit Hochspannung ausgestattet, hätte man ein wenig detaillierter auf die Ermittlungsarbeit der Polizei eingehen können. Als Ratefan erhält man lediglich Fragmente, während die Fälle aus der Vergangenheit nur ansatzweise gestreift werden. Dennoch wird die Geschichte flott und ohne große Schnörkel vorgetragen und zum Analysieren des Geschehens bleiben primär in der ersten Hälfte viele Möglichkeiten offen.
Das stimmige Sounddesign und der sauber abgestimmte Score zählen neben einigen recht gelungenen Kamerafahrten ebenfalls zu den Stärken der Mixtur, die irgendwo zwischen Haunted House und Serienkiller-Krimi ansetzt. Eine im Grunde simpel gestrickte Geschichte, die aufgrund des guten Timings und vieler gelungener Einzelelemente all jenen empfohlen werden kann, die gerne mysteriösen Verwirrspielchen folgen.
7,5 von 10