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In einer amerikanischen Kleinstadt in Ohio verschwindet eines Tages ein Schüler - mit dem Fahrrad auf dem gewohnten Heimweg durch den Wald unterwegs ist er plötzlich weg - als hätte ihn ein UFO eingesogen. Die Dorfsheriffs, unter ihnen Greg Harper (Jon Tenney) finden bei der Spurensuche einen grünen Gegenstand, der sie an einen weit zurückliegenden Fall erinnert, als ebenfalls zwei Buben spurlos verschwanden. Weitere Anhaltspunkte gibt es nicht, und Greg hat außerdem andere Sorgen, denn in seiner Ehe kriselt es, seitdem seine Frau Jackie (Helen Hunt) mit einem ehemaligen Schulfreund fremdgegangen ist. Unterstützung findet er derzeit nur bei seinem jugendlichen Sohn Connor (Judah Lewis), der das Handeln seiner Mutter scharf verurteilt, während diese darum bemüht ist, wieder Normalität einkehren zu lassen. Dabei bemerken die Harpers nicht, wie sich seit kurzem seltsame Dinge in ihrem Haus ereignen bzw. schreiben diese der gegenseitigen Unachtsamkeit zu: Eine Kaffeetasse auf dem Dachfirst, ein leerer Bilderrahmen, verschwundenes Besteck und ein Handwerker, der während ihrer Abwesenheit eine Fensterscheibe tauscht und von einem jungen Mädchen berichtet, die ihn eingelassen hätte...

Mit I see you legt Adam Randall einen spannenden Mystery-Thriller vor, der das Publikum eine ganze Zeit lang mittels ausgeklügelt getimter Passagen fast in die Irre führt und erst ganz zum Schluß auf den eigentlichen Punkt kommt. Das Drehbuch bedient sich dabei des Kniffs, kurz nach der halben Filmlaufzeit die bisher gezeigten Begebenheiten dann ein weiteres Mal - jedoch aus einer ganz anderen Perspektive - darzustellen, was für den einen oder anderen Aha-Effekt sorgt und die vorab vom Zuschauer getroffenen Einschätzungen der handelnden Filmcharaktäre gehörig durcheinander bringt. Obgleich sich in der Folge dann einige Rätsel auflösen, tut dies der Spannung keinen Abbruch, und da am Ende noch ein nicht erahnbarer fieser Plot Twist wartet, kann I see you, der freilich mit Horror vollkommen falsch etikettiert ist, als durchaus gelungen bezeichnet werden.

Fazit: Dank des hervorragenden Drehbuchs ein spannend inszenierter Mitrate-Krimi, der trickreich mit den Sehgewohnheiten und der Erwartungshaltung des Publikums spielt, kein großes Budget braucht (die Handlung spielt weitgehend in Wohnräumen und Keller des Hauses) und auch den Protagonisten nicht allzuviel abverlangt - deren Rollen sind zwar tadellos dargeboten (die extrem gesichtsgeliftete Helen Hunt mag durch ihre Visage auf den einen oder anderen, der sie noch aus dem 1996er Twister kennt, leicht abstoßend wirken), treten in ihrer Wirkung jedoch deutlich hinter die von der Kamera sorgsam eingefangenen Begebenheiten und Auffälligkeiten zurück.
Mehr über die Handlung zu schreiben hieße spoilern und so soll es beim Hinweis auf den diesmal passend und doch ambivalent  gewählten Subtitel Das Böse ist näher als du denkst bleiben. Hat man den sehenswert arrangierten Streifen jedoch einmal gesehen und kennt den Plot, erübrigt sich eine Zweitsichtung. 7 Punkte.

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