Review

Es ist ein ungewohntes Gefühl, wieder draußen zu sein. Aber Frank Carver (Nicholas Cage) kann sich gar nicht richtig darüber freuen, dazu läßt ihm seine Krankheit einfach zu wenig Spielraum. Eine Krankheit immerhin, der er seine vorzeitige Entlassung verdankt. Denn eigentlich sollte Carver, Ende Vierzig, noch im Knast sitzen. Irgendwann in den 1980er Jahren, als er zu den Handlangern eines Mafiabosses gehörte, war er mit dabei, wie dieser einen anderen Kriminellen mit dem Baseballschläger erschlug. Carver nahm den Mord seinerzeit auf sich, da ihm der Boss nur etwa 5 - 6 Jahre prophezeite, er außerdem 450.000 $ erhielt sowie die Zusicherung, daß für seinen gerade neu geborenen Sohn "gut gesorgt" würde. Tatsächlich wurde aus den 5 - 6 Jahren dann lebenslänglich, und die würde Frank immer noch absitzen, wäre da nicht diese unheilbare  Krankheit, deretwegen man ihn gnadenhalber vorzeitig entließ, da ihm ohnehin nicht mehr viel Zeit bliebe.
Jetzt also ist Carver draußen, es ist schon dunkel, und auf einer einsamen Straße kommt ihm sein Sohn Joey (Noah Le Gros) entgegen, um ihn abzuholen. Endlich! Carver möchte am liebsten alles nachholen, was er in den vergangenen 19 Jahren verpasst hat, vor allem aber will er seinen Sohn endlich kennenlernen, seinen Sohn, um den er sich all die Jahre nie hatte kümmern können. Unter väterlicher Führung suchen sie gemeinsam eine abgelegene Stelle hinter einem Haus am Wald auf, wo Frank eine Kiste ausgräbt. In dieser befindet sich neben einem Baseballschläger (dem Tatwerkzeug von damals) auch die seinerzeitige Belohnung. Mit dem Geld checken sie in einem vornehmen Hotel ein, wo Frank und sein Sohn eine kleine Suite beziehen. Es folgt ein opulentes Abendessen und später kann Frank auch noch eine Prostituierte für sich an Land ziehen - es sieht alles gut aus.
Doch anderntags macht sich Frank dann auf, frühere Bekannte zu besuchen. Zuerst sucht er einen gewissen Sleepy auf, doch der ist bereits verstorben. Dessen junge Tochter verkauft ihm immerhin eine Waffe. Dann geht es in eine Bar zu Q (Benjamin Bratt), ebenfalls einem alten Bekannten, mit dem sich Carver stets gut verstand. Wie geht es eigentlich dem Boss von damals, und was ist aus ihm geworden? Doch hinter diesen verständlichen, in harmlosem Ton vorgetragenen Fragen schält sich langsam Carvers zweite wichtige Mission heraus, die er unbedingt noch erfüllen will: Rache. Rache für all die Zeit hinter Gittern, in denen er sein Leben verpasst hat...

In den letzten Jahren hat Nicolas Cage diverse Filme gedreht, die mit wenig anspruchsvollen Drehbüchern und eher kleinem Budget nicht über Mittelmaß hinauskamen - A Score to settle wirkt anfangs genauso, offenbart mit zunehmender Laufzeit dann jedoch ein wenig Tiefgang, mit dem man nicht gerechnet hätte. Wenn man sich vom Titel, der auf deutsch übersetzt "eine Rechnung ist zu begleichen" lautet, nicht in falsche Erwartungshaltungen drängen läßt, breitet sich hier das Psychogramm eines vorzeitig gealterten Mannes aus, der sein Leben im Knast vergeudet hat und dem nun nicht mehr viel Zeit bleibt, die für ihn wichtigsten Dinge zu regeln.

Auch wenn das Tempo in der ersten Stunde sehr gemächlich scheint, so ergeben doch einige beiläufig erscheinende Szenen später durchaus einen Sinn, was für Regisseur Shawn Ku spricht, der hier erst seine zweite Langfilm-Regie präsentiert. Später vor allem deswegen, weil der Streifen am Ende mit zwei Wendungen daherkommt, die man zwar schon im Voraus erahnen, sich deren tatsächlichen Eintreffens jedoch nie ganz sicher sein konnte. Nicolas Cage jedenfalls spielt seine Rolle als Getriebener, der stets zwischen schnell wechselnden Gemütszuständen changiert, mit Bravour, wobei ihm zugute kommt, daß es keinen ernstzunehmenden Gegenpart gibt - Benjamin Bratt als Einziger, der dafür in Frage käme, hat eine viel zu kleine Nebenrolle mit sehr wenig Screentime.

Waren einige Szenen zwischendurch schon etwas kitschig, endet der Film dann mit einer unnötigen, teilweise in Zeitlupe abgefilmten Sequenz, die ihn schlußendlich ob ihr künstlichen Dramatik dann noch einen Punkt kostet.
Fazit: A Score to settle ist absolut nichts für Actionfans, wer Cage jedoch auch mal in einer nicht so oft gesehenen Rolle erleben will, dem sei dieses im Grunde genommen tieftraurige Drama empfohlen. Mit einem etwas ausgefeilteren Drehbuch wäre auch durchaus mehr drin gewesen. 6 Punkte.

Details
Ähnliche Filme