Review
von Leimbacher-Mario
Ebbe und Flut
„In The Shadow of the Moon“ ist einer der größeren Netflix-Titel dieser Herbstsaison und er handelt von... wollt ihr das wirklich wissen?! Denn hier hilft ein Blindflug dem Sehvergnügen schon deutlich. Okay, ich fasse mich kurz und oberflächlich: es geht um eine Reihe von mysteriösen Morden, die alle 9 Jahre geschehen, und einen Cop, der es sich quasi zur Lebensaufgabe macht, die Killerin zu fassen. Nuff said. Schaut den Rest selbst, es lohnt sich. Zumindest einigermaßen.
Mich hat dieser sprunghafte, stilvolle Thriller gut unterhalten und etwas an „12 Monkeys“ meets „Sieben“ erinnert, was ja schonmal keine schlechten Anhaltspunkte sind. Leider fühlt sich alles etwas sehr danach an, als hätte man erfolgreiche Punkte berühmter, beliebter Filme vermischt und viel zu wenig eigene Zutaten beigemischt. Das lässt alles wesentlich flacher und vorhersehbarer erscheinen, als es eigentlich müsste. Optik, Score, Darsteller können nämlich alle was. Nur es fühlt sich eben nicht nach mehr als der Summe seiner Teile an, eher nach weniger. Von Sci-Fi-Elementen über einen Krimi-Plot bis hin zu sozialen, fast etwas philosophischen Kommentaren läuft da einiges - aber eben nur nebeneinander, selten ineinander. Nicht falsch verstehen - das Ding hat mich in keiner Sekunde gelangweilt, obwohl ich den hauptsächlichen Haken der Story schon enorm früh im Kopf hatte. Doch irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass hier noch mehr drin war und selbst dieses solide Werk im bodenlosen Sumpf Netflix' versinkt. Ohne den Antrieb und das gewisse Etwas, da rauszustechen. Ein extrem antiklimaktisches Finale, eine absolute Verweigerung von technischen Erklärungen des Hauptkniffs und das genannte Recyceln feinerer Vorbilder hilft dabei natürlich auch nicht.
Fazit: die Idee ist cool (oder zumindest diskussionswürdig), der Film sieht top aus und ist solide gespielt - aber im Endeffekt ist es nur auf Hochglanz poliertes Movie-Fast Food, das gut unterhält, aber überraschend kurz anhält und das auch nur halb so komplex oder clever ist, wie es meint zu sein. Gut, aber ohne großartigen Mut, geschweige denn das gewisse Etwas.