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Eine seltsame Anschlagserie erschüttert Philadelphia im Jahre 1988: Mehrere ganz normale Bürger, wie eine Buslenkerin, ein Konzertpianist, eine Tänzerin und ein Koch in einem Schnellimbiß fallen tödlichen Injektionen zum Opfer. Der nicht klar zu analysierende Giftstoff löst innerhalb kurzer Zeit das Gehirn auf und läßt das Blut aus allen Kopföffnungen austreten - Detective Locke (Boyd Holbrook) und sein Partner Maddox (Bokeem Woodbine) stehen vor einem Rätsel. Locke kann allerdings aufgrund einer vagen Personenbeschreibung die Täterin stellen - es ist die junge Schwarze Rya (Cleopatra Coleman), die sich in einer U-Bahn-Station vehement gegen die Festnahme wehrt, dann aber von einem einfahrenden Zug überrollt wird. Da weitere Nachforschungen nichts Konkretes ergeben, ist der ungeklärte Fall irgendwann geschlossen. Ein indischer Wissenschaftler versucht einen Zusammenhang mit dem Mond herzustellen, der alle 9 Jahre in einer besonderen Konstellation zur Erde steht, einer Konstellation, die Zeitreisen ermöglichen würde - doch er wird nicht ernst genommen. Genau 9 Jahre später allerdings, 1997, ist Locke immer noch als Detective im Einsatz, und erneut fallen an jenem Tag Menschen den heimtückischen Giftinjektionen in den Nacken zum Opfer - zu Lockes großer Überraschung ist auch Rya quicklebendig wieder da, und erneut kann er sie nicht aufhalten, diesmal stirbt sein Kollege Maddox und sie entkommt per Flugzeug. "Wir sehen uns wieder" sagt sie noch zu ihm...

Das Phänomen der Zeitreisen, speziell solcher aus der Zunkunft, um die Vergangenheit zu verändern, gab es auf der Leinwand schon öfters, am prägnantesten wohl in den Terminator-Franchises. Hier geht es, soviel sei vorweggenommen, ebenfalls um das Verhindern gewisser Dinge in der Vergangenheit, um etwas in der Zukunft gar nicht erst geschehen zu lassen. Leider baut In the Shadow of the Moon, der kapitelmäßig in die vier entscheidenden Jahre (1988, 1997, 2006, 2015) aufgeteilt ist, mit zunehmender Dauer immer weiter ab und versandet zum Schluß in einem Brei aus widersprüchlichen Erklärungen und tränentreibendem Kitsch. Je näher Detective Locke, der im Lauf der Zeit immer mehr zum weltfremden Spinner mit einer vagen Theorie wird, dem eigentlichen Grund der Giftanschläge kommt, desto durchsichtiger und bemühter wird die ganze Story. Das ist schade, denn die ersten beiden Jahre (und somit etwa die erste Hälfte des Films) ist diese Netflix-Produktion ein durchaus sehenswerter, temporeicher Thriller mit einigen Action-Einlagen, danach verflacht das Ganze immer mehr.

Zu den größten Logiklöchern zählen besonders am Schluß die von den Hauptdarstellern getätigten und die Filmhandlung (vermeintlich) begründenden Aussagen, daß man die Vergangenheit einerseits ändern könne, daß man sie andererseits aber eben nicht ändern könne. Ja was denn nun? Weitere Ungereimtheiten der Story sind die offenbar nur geringe Aufmerksamkeit, die das unbekannte Gift (ein "spezielles Isotop") in der Öffentlichkeit erregt, die schlampige oder gar nicht vorhandene Ermittlungsarbeit sowie der Umstand, daß die ganze Geschichte auf ein persönliches Duell zwischen Locke und Rya hinausläuft, an dem die (Um-)Welt kein Interesse hat - obwohl es um deren Lauf geht. Auch daß der später wie ein Obdachloser auftretende Locke die nicht gealterte Rya, die sämtliche Kampfsporttechniken der Welt zu beherrschen scheint und mit einem Motocross-Bike über Zäune fliegt, mit einem kleinen Revolver aufhalten will, ist schlicht unglaubwürdig. Das unerwartet schleimige Heile-Welt-Ende tut dann ein Übriges, diesen Film doch schnell abzuhaken. Stark begonnen und dann leider ganz stark nachgelassen - 4,51 Punkte.

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