Review

„Running Out 2 – Der Countdown läuft weiter“ ist die mäßige Fortsetzung des gelungenen B-Actionspaßes.
Das Ganze beginnt mit einer sehr billigen Actionsequenz, in der man zwar eine Klopperei simulieren will, aber die Akteure sehr deutlich aneinander vorbei schlagen und treten, der Held nur nervige Sprüche abgibt und die Kulissen billig wirken. Doch das alles ist bloß der Filmdreh einer Szene zum neuen Film mit Sharon Bell (Shannon Tweed), was dem Film einen sehr selbstironischen Beginn beschert – leider hält diese Art von Kreativität nicht an.
Sharon hat ihren Regisseur Jack (Bruce Payne) zudem überredet, jene Galerie als Drehort zu nehmen, in der ihre Schwester Roberta (Jane Heitmeyer), genannt Bobbi, arbeitet, und besucht diese. Doch das Verhältnis der Schwestern ist gespannt und dann taucht auch noch Jack mit Sharons arrogantem Co-Star Steven Ivory (Jeffrey Max Nicholls) auf, um den Drehort zu besichtigen und stört noch mehr. Damit hätte man fast alles für einen „Stirb langsam“-Verschnitt zusammen: Den Schauplatz, die Geiseln und die privaten Spannung der Geiseln. Fehlen nur noch die Bösewichte.

Diese kreuzen dann auch kurze Zeit später ein und haben auch den Sicherheitsdienst infiltriert. Sie verriegeln das Gebäude und wollen eine wertvolle Statue klauen. Die anwesenden Besucher sind ein lästiger Dorn im Auge, weshalb Sharon und ihre Truppe um ihr Leben fürchten müssen, aber die kämpferische Darstellerin weiß sich zur Wehr zu setzen…
Der Vorgänger überzeugte vor allem dadurch, dass er teilweise das gleiche Flair aufkommen ließ wie „Stirb langsam“ – eine Qualität, die dieser Film leider nicht besitzt. Denn die erste Hälfte ist relativ belanglos und lässt sich zuviel Zeit, ehe es wirklich mit der Action losgeht. So kann der Film selten fesseln und man bangt so gut wie nie um das Schicksal irgendwelcher Geiseln, zumal man sich hier enttäuschend schnell denken kann, wer den Löffel abgibt und wer nicht. Auch die Storywendung, dass das wahre Interesse der Räuber nicht der Statue, sondern deren Inhalt gilt, ist nicht besonders originell. Immerhin erzählt Paul Lynch die Geschichte ohne größere Längen, sodass man zwar nicht gefesselt, aber auch nicht angeödet ist.
Der Schauplatz der Galerie ist nicht ganz so schick wie das Hotel im Vorgänger (und zeugt von scheinbar weniger Budget), aber trotzdem besitzen die Szenen im Hauptteil der Galerie doch Flair und bieten einen ungewohnten Schauplatz. Weniger originell ist der Teil der Szenen, der in den Kellerräumen der Galerie spielt, denn derartige Schauplätze kennt man zur Genüge. Auch der Humor hält sich nur von der ironischen Eingangssequenz abgesehen in Grenzen (es ist lediglich zu sehen, wie die Fieslinge das Großmaul Steven einschüchtern). Natürlich legen die Schwestern ihren Streit während der Kampfhandlung bei und eine kleine Lovestory bahnt sich auch – also alles obligatorisch, aber nicht sonderlich aufregend. Zudem merkt man dem Film noch den Einfluss des Erfolges von „The Rock“ an: Auch hier kommt ein grünliches Kampfgas zum Einsatz, was Zersetzungsszenen zur Folge hat, die ebenfalls arg an Michael Bays Werk erinnern.

Die Action bietet Shoot-Outs und Kloppereien, aber leider ist die Menge nicht wirklich überzeugend. Dabei kann man hier im Gegensatz zum Vorgänger Shannon Tweeds mangelnde Kampfkünste verschleiern (gute Schnitttechnik). Die Schießereien bieten auch ein paar blutige Einschüsse, aber die Gegnermenge ist hier enttäuschend gering (auch die Fieslinge müssen hier nur einen Sicherheitsmann ausschalten – also kein Vergleich zur derben Geiselnahme im Vorgänger). Ebenfalls recht nett die Szenen, in denen sich die Helden mit selbst gebastelten Verteidigungsmaßnahmen zur Wehr setzen.
Shannon Tweed ist hier ähnlich schwach wie sonst auch immer, während Jane Heitmeyer etwas besser ist. Doch in der Riege der Nebendarsteller finden sich mit Lance Henriksen und Bruce Payne zwei sehr überzeugende und recht erfahrene Schauspieler, während der Rest des Ensembles auch eher mäßig ist.

Ungewöhnlicher Schauplatz und gut inszenierte Action, aber leider zu wenig davon. Zusammen mit der wenig packenden Story ergibt sich trotz der versierten Regie nur ein unterdurchschnittliches Sequel.

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