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Diverse Wellen bestimmten das Horrormetier in den vergangenen Jahren, welche zumeist nur eine Weile dominierten wie Found Footage, Torture Porn, 80er Retro oder jene Besessenheitsfilme aus dem Kosmos von „Conjuring“. Der italienische Regisseur John Real springt ein wenig auf diesen Zug auf, erwischt dabei jedoch einen Bummelzug.

Die sechsjährige Sophie ist seit kurzem Waise und spricht nicht mehr. Ihre Tante Annabelle hat die Vormundschaft erhalten und zieht mit ihr in ein altes viktorianisches Haus. Als Sophie im Garten eine Kiste mit einer Spieluhr findet, scheint sich das Kind daraufhin einer imaginären Freundin zu widmen…

Genrefans kennen diese typische Einblendung nach dem eigentlichen Finale „1 Monat später“, wo dann oft noch eine eventuelle Fortsetzung angekündigt wird, weil das Böse eben doch nicht endgültig besiegt wurde. Eine derartige Szene hätte man sich hier nach dem Showdown komplett sparen können, da diese rein gar nichts aussagt, was schon ein wenig bezeichnend für die komplette Geschichte ist, die aus einem oberflächlichen Sammelsurium hinlänglich bekannter Vorbilder besteht.

Wirklich warm wird man mit den wenigen Figuren nicht, denn Tante Annabelle zeigt zu wenig Einfühlungsvermögen gegenüber ihrer Schutzbefohlenen, welche wiederum nur als Symptom des Spuks fungiert. Ferner mischen noch ein Kinderpsychologe und ein Medium nebst Adjutanten mit, doch beide Instanzen bringen die Erzählung nicht so recht voran.

Denn über ominöse Geräusche im Obergeschoss und der kurzen Einblendung eines Geistermädchens, welches deutlich von japanischen Vorbildern herrührt, sind hier kaum übersinnliche Begebenheiten vorzufinden. Indes spielt die titelgebende Music Box in regelmäßigen Abständen und es gibt kaum mehr als ein ominöses Symbol zu deuten und natürlich die Hintergrundgeschichte der Kiste zu recherchieren. Das ist ziemlich fade aufgezogen und weist ein mitunter schlechtes Timing auf, da einige Takes schlicht zu lang geraten sind.

Die schwache Ausstattung (auffällig große Wasserspeier, wohl aus dem Baumarkt) schürt kaum Atmosphäre, während der Score mit einigen eingängigen Themen zumindest unheilvoll klingende Nuancen einbringen kann. Ein weiterer auffälliger Schwachpunkt sind die eindimensional bis hölzern agierenden Darsteller, welche teils komplett fehlbesetzt (Psychologe, Bibliothekarin) sind. Viel besser ist deren Synchro auch nicht.

Insofern ist weitgehend Langeweile angesagt und die rund 83 Minuten fühlen sich ein ums andere mal deutlich länger an. Zwei, drei Erschreckmomente laufen nicht ganz ins Leere, doch unterm Strich ist die Geschichte zu abgedroschen und uninspiriert, wobei das Finale auf dramaturgischer Ebene nahezu völlig versagt und die wenig spannenden Oberflächlichkeiten zu einem bezeichnenden Ende führt.
3,5 von 10

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