Zu Rob Grants „Alive – Gib nicht auf“ will ich eigentlich gar nicht großartig lange Sätze verlieren.
Fakt ist: ich mag diese Art von Filmen nicht sonderlich.
Sie sind inspiriert von „Saw“ und anderen „Folter-Revenge“-Filmen und beziehen ihre Anziehungskraft aus dem Ausgeliefertsein der Helden und der Strahlkraft der Bösen.
Gut, hier haben wir weder einen mörderischen Folterer – nur einen handelsüblichen Soziopathen mit Borderline-Störung, der gleichzeitig pflegt UND etwas quält – aber auch die üblichen Zutaten: einen Mann und eine Frau in etwas, was wie ein stillgelegtes Krankenhaus wirkt (und es auch ist, wie am Ende herauskommt), beide stark verletzt, bemüht verarztet, mit blutigen Verbänden und ohne Erinnerung wer sie sind und wie sie daherkommen.
Halbgare Versuche zu entkommen füllen natürlich die Filmzeit, die nicht für Angus MacFadyens Dauersabbeleien als bekloppter Pfleger/Chirurg/Tormentor/Vaterfigur draufgeht, während er seine Schützlinge abwechselnd umsorgt und bedroht oder sie wieder zum Pflegefall macht. Viel Blabla, wenig Handfestes und nur sehr wenig Konstruktives zum Thema Flucht bis auf die letzten 25 Minuten, das alles in einer hygienisch bedenklichen Atmosphäre. Mir schmeckts einfach nicht mehr, mir solche Quälkulissen zur Unterhaltung anzusehen.
Wer mag, darf natürlich ein wenig vorspulen, bis es dann wirklich zur Flucht kommt, die sogar sehr ordentlich und creepy umgesetzt wurde und die sich dann im „draußen“ sogar noch fortsetzt. Was die Produktion für mich zumindest ein klein wenig gerettet hat, ist der Schlusstwist dieses Streifens, der gemäß dem allmächtigen Internet zwischen „mindblowing“, „creepy“ und „completely bananas“ changiert.
Was ich sagen kann: die finale Enthüllung ist tatsächlich etwas schockierend, sie regt zum Nachdenken an und erweckt – im Gegensatz zur Notlage im Restfilm – mein Mitgefühl und Interesse mit den beiden Charakteren und bietet sogar eine bizarre Basis für eine Fortsetzung, die ich sehr gern sehen würde.
Natürlich ist es immer schlecht, wenn man sagt: „jetzt bin ich interessiert“, während gerade der Abspann startet, aber so waren die vorgespulten 85 Minuten wenigstens keine Zeitverschwendung. (4/10)