Review

iHaveCNit: Jojo Rabbit (2020)
24.01.2020

Was passiert, wenn ein Polynesier jüdischen Ursprungs eine Coming-Of-Age-Kriegssatire auf Grundlage des Buches „Caging Skies“ von Christine Leunens erschafft und diese mit sehr viel Witz und Humor anreichert ? „Jojo Rabbit“ ist dieses filmische Experiment, bei dem man sich die ganze Zeit fragen soll, ob man über Hitler und die damalige Zeit lachen darf und ob der Film den Spagat und die notwendige Balance zwischen Tragik und Komik hinbekommt. Für meinen persönlichen Geschmack nur bedingt.

Der 10-jährige Johannes Betzler, genannt Jojo, ist ein blühender Nazi mit schmächtiger Statur, der alles dafür tun würde, den Führer glücklich zu machen. In einem militärischen Jugendlager wird er bei einer Granatenübung verletzt und muss die Zeit zu Hause verbringen. Dabei macht er eines Tages die Entdeckung, dass seine Mutter in den Wänden des Hauses eine junge Jüdin namens Elsa versteckt hält, was in den folgenden Tagen und Monaten sein bisheriges Weltbild gehörig auf den Kopf stellen wird – und natürlich auch die Freundschaft zu seinem imaginären Freund Adolf Hitler.

Ich glaube dass es mir noch nie so schwer gefallen ist, ein Urteil über einen Film zu fällen als zum Beispiel bei diesem hier. Wir bekommen den Großteil des Films aus der Sicht eines 10-jährigen naiven, von Nazi-Propaganda geblendeten und nicht wirklich hellen Jungen präsentiert, was natürlich dazu führt, dass wir hier vieles sehr plakativ und oberflächlich gezeigt bekommen mit einer Intention das Gezeigte bitterbös aufzubrechen. Hier habe ich jedoch das Problem gehabt, dass das für mich nicht immer funktioniert hat, denn es ist hier ein schmaler Grat zwischen der vermutlichen Intention des Films und natürlich dem Punkt, an dem man sich hier wirklich darüber lustig macht und der Lächerlichkeit preisgibt nur als Mittel zum Zweck. Aber darüber hinaus als großer Fan des Coming-Of-Age-Sektors hat mir der Film in diesem Bereich am Besten gefallen. Und gerade hier im Kern natürlich die Beziehung des jungen Johannes Betzler zu seiner Mutter Rosie und auch die Verbindung zu der Jüdin Elsa. Hier haben mir die schauspielerischen Darstellungen des jungen Roman Griffin Davis aber vor allem von der jungen Thomasin McKenzie (die mir zuletzt auch sehr gut in „Leave No Trace“ an der Seite von Ben Foster gefallen hat) und natürlich auch Scarlett Johansson. Gerade in diesem Aspekt des Films gibt es die besten Szenen des Films ganz abseits des Humors, denn hier hat mich der Film emotional bekommen und gerührt. Vor allem auch, weil ich aus persönlicher Sicht ebenfalls einmal die Rolle des ältesten Manns im Haus übernehmen musste, als meine Mutter alleinerziehend war – und diese Verbindung von Jojo und Rosie das Ganze schon sehr gut trifft.

„Jojo Rabbit“ - My First Look – 8/10 Punkte.

Details
Ähnliche Filme