Review
von Leimbacher-Mario
Seichte Krimikomödie: European Vacation
Gefühlt wird bei Netflix jeden Monat mindestens ein Zuschauerrekord gebrochen - kein Wunder also, dass auch der mit Sandler und Aniston hochkarätig besetzte „Murder Mystery“ letztes Jahr dort recht hohe Zahlen erreichen und Wellen schlagen konnte. Da schalten viele Gelegenheitsgucker zum Feierabend mal rein. Über die Qualität sagen Beliebtheit und Klickzahlen bekanntermaßen nicht allzu viel aus, sodass man auch dieser quer durch Europa verlaufenden Krimikomödie durchaus von Anfang an kritisch gegenüberstehen darf. Erst recht, wenn man die üblichen Sander-Comedies beim großen roten N kennt, „Uncut Gems“ mal ausgenommen. Dennoch hat natürlich jeder Film Objektivität und Neutralität, ein weißes Blatt zum Start verdient - was dieser sonnige „Agatha Christie für Blöde“ sogar eine Zeit lang zu seinen Gunsten und zumindest ein paar Lacher nutzen konnte. Dafür muss sich niemand schämen.
Erzählt wird von einem recht durchschnittlichen und schon lange verheirateten Pärchen, das ihre etwas eingeschlafene Ehe zum Jubiläum mit einer Reise durch Europa auffrischen will. Doch ehe sich die beiden versehen finden sie sich nicht nur auf einer imposanten Luxusjacht wieder, der steinreiche Gastgeber liegt plötzlich inmitten vieler skurrilere Gäste mit einem Dolch in der Brust tot da und die beiden geraten in Mordverdacht, als ob sie im falschen Film gelandet wären... Apropos: an den schlimmsten, peinlichsten Stellen habe ich mich ebenso gefühlt und gefragt, warum ich nichts besseres mit meiner Zeit anfange. Dennoch schaffte es die zum Glück nicht nieder zu kriegende Kernsympathie und -chemie der beiden Stars, Sandlers authentische Mimik und legeren Sprüche, einige bizarre Figuren, die unfassbar hübsche Frau Arterton, ebenso unfassbar hübsche Stückchen von Europa und die grundsätzliche Neugier, ob die eigenen Killertipps korrekt sind, mich bei Laune zu halten. Inklusive dem ein oder anderen Staunen, Schmunzeln und (nicht immer nur negativ gemeinten) Kopfschütteln. Über sattelfesten Durchschnitt kommt die insgesamt leider doch seelenlose, oft gefühlt sehr mühsam und grob zusammengeschusterte Chose jedoch selten. Und Vergleiche mit dem Orientexpress (egal ob alt oder neu) oder gar dem ungleich eleganteren „Knives Out“ verbieten sich fast gänzlich. Trotz süßer, augenzwinkernder Hommage ganz zum Schluss.
Fazit: Just No With It. Boats Out. Traumschiff trifft Cluedo. Sympathisch bis strunzdumm, flach bis feuchtfröhlich, idyllisch bis idiotisch. Man kann gerade auf Netflix zwar auf definitiv noch viele deutlich schwächere, blödere Sandler-Klamotten treffen - doch das heißt bekanntlich wenig... „Murder Mystery“ ist ein Kleinster-Gemeinsamer-Nenner-Film für den hohlen Zahn und null anspruchsvollen Feierabend oder Filmabend. Naja. Wie schafft es Sandler nur trotz vieler derart mageren Aufgüsse noch ein solcher Sympathieträger (auch für mich) zu bleiben?!?