Zugegeben, ich wusste nicht allzu viel über Judy Garland. Ok, ich kenne "Der Zauberer von Oz" und ... nun, das war's. In der Oscarsaison 2020 lief mir der Film dann in einem kleinen Kino über den Weg und daher dachte ich mir, ich gebe ihm mal eine Chance.
Der Anfang ist auch noch recht gelungen, spielt er doch zu der Zeit vor dem Dreh von „Oz“ und immer wieder springt der Film hierher zurück um zu zeigen, wie schwierig es Judy hatte und mit welchen Umständen sie zu kämpfen hatte. Diese thematisieren sich nicht nur in rigorosen Vorgaben was so ziemlich alle Bereich ihres Lebens angeht, sondern auch in der Verabreichung diverser Tabletten - je nach Bedarf. Dies sollte sich dann auch durch den Rest ihres Lebens ziehen.
Der Hauptteil des Films spielt jedoch Ende der 60er Jahre. Das muss man sich allerdings irgendwie selber zusammenreimen, denn entsprechende Informationen erhält man nicht. Ein ziemlicher Minuspunkt bei einem Biopic, denn ich finde schon, dass man mal darauf hinweisen kann, wann man gerade ist.
Was zwischen diesen Zeiten passierte scheint irrelevant. Vielleicht wird erwartet, dass man dies selber recherchiert; zumindest fühlte sich der Film für mich nicht ausreichend vollständig an. Zwar hat eine solche stilisierte (meist ist sie das) Biographie dem Zuschauer gegenüber nicht unbedingt die Verpflichtung, das komplette Leben der jeweiligen Person abzubilden - jedoch würde es dabei helfen, den Zuschauer bei der Lebensreise mitzunehmen einen roten Faden zu spinnen oder zumindest ein ausreichendes Maß an Nachvollziehbarkeit mit in die Inszenierung einfließen zu lassen. Regisseur Rupert Goold sah das wohl eher anders.
Darstellerisch geht das Ganze in Ordnung, die beste Leistung des Jahres (glaubt man der kleinen goldenen Statue), sehe ich aber nicht. Respekt aber dafür, dass Zellweger die Songs selber singt. Mit Michael Gambon und Rufus Sewell hat man noch ganz guten Support dabei, generell gibt es Darstellerisch keine Ausfälle zu verzeichnen.
Das gilt auch für die technische Seite. Kamera, Ausstattung etc. sind dem Genre angemessen. Aber es ist eben auch nicht großartig, mitreißend oder sonst wie außergewöhnlich. Alles wirkt routiniert und nach Plan abgedreht. Und wenn gegen Ende das allseits bekannte "Over the Rainbow" gesungen wird, wirkt das eben so erwartet. Es musste kommen, zum Finale, eingeflochten in einen emotionalen Höhepunkt. Doch durch diese Erfüllung des Erwarteten – vielleicht auch des Befürchteten – wirkt es arg konstruiert und verliert auch dadurch seine Wirkung.
„Judy“ ist ein mediokrer Beitrag zum Biopic-Genre, etwas unübersichtlich und hingetrimmt. Hat mich nicht abgeholt.