Nun,
der Film zeigt vor allem eines, nämlich wie mit dem Thema Neonazismus in den frühen 90ern umgegangen wurde, der Zeit in der brennende Asylantenheime noch ein Novum in der deutschen Presse darstellten, und deswegen erwähnenswert waren. Eine Zeit in der heiss diskutiert wurde... "Naziskins, Terror von Rechts..." Nicht das es heute besser wäre, die Taten blieben die selben, sie sind kein Wendeereigniss geblieben, nur wird eben weniger darüber berichtet.
Der Blick aus gutbürgerlicher Sicht blieb ebenfalls der selbe, so habe ich den Eindruck, denn die Geschichte um den jugendlichen Robin, Probleme zu Hause, in der Schule, Unverständniss..., wirkt trotz ein paar wenigen, zwingenden Einstellungen sehr konstruiert, zu sehr aus Pädagogensicht erzählt.
Es ist aber auch schwierig, wie will man aus der Sicht eines "vernünftigen" Menschen erklären können, wie jemand so sehr auf die schiefe Bahn gerät?
Was der Film jedenfalls zu erzählen weiss, ist die Verlogenheit der Rechten, die Art wie bei ihr Jugendliche benutzt werden, näher zu bringen oder sie zumindest zu erahnen.
Was allerdings auf der Strecke bleibt, ist der meiner Meinung nach wichtigere Schritt in ein soziales Aus, nämlich der, der wohl eher in den Familien, in dem Schulsystem zu finden ist.
Das grösste Manko von Kahlschlag ist aber vor allem seine symbolhaftigkeit. Jede Figur um Robin hat eine bestimmte Funktion in seinem Weg, sie lassen jedoch alle Tiefe im Charaker vermissen.
Der Film wirkt daher weniger wie eine seriöse Sozialstudie, als viel mehr wie ein oberflächliges Schulreferat zum Thema Neonationalsozialismus.
03 / 10