Seit 2006 dreht der gebürtige Nürnberger Marcel Walz im Independent Bereich. Seiner Vorliebe für morbide, oftmals blutige Stoffe ist er weitgehend treu geblieben. Dass er nun ausgerechnet in die Kerbe von „The Blair Witch Project“ schlägt, erweist sich als kein allzu cleverer Schachzug.
William und Jessica betreiben einen Podcast für Paranormales. Als sie von einer Regisseurin den Auftrag erhalten, verschwundenen Personen im Rootwood Forest nachzugehen, sind sie sogleich begeistert. Gemeinsam mit Bloggerin Erin, einigen Kameras und einem Wohnmobil begeben sie sich auf die Suche und werden schneller fündig, als ihnen lieb ist…
Die Exposition zeigt einen klassischen Einsteiger: Eine schreiende Frau mit Taschenlampe im nächtlichen Wald nimmt mit wenigen Einstellungen vorweg, was da vermeintlich Grauenvolles noch kommen mag. Grauenvoll ist hingegen die leidige Zeit, bis sich überhaupt mal etwas ereignet. Das Trio besteht aus eindimensionalen Charakteren, die null Empathie schüren, wodurch das recht hölzerne Spiel eines jeden nicht unerheblich beiträgt.
Immerhin bildet der Found Footage Aspekt nur einen geringen Teil der Optik, der Rest besteht aus Sicht einer herkömmlichen Kamera. Wobei verkleinerte Rahmen bei der Handkamera in Zeiten von HD durchaus wundern. Als man bei einer gemeinsamen Exkursion auf einen rundlichen Metallklotz mit Graffitis stößt, kommt zumindest zeitweise ein wenig Atmosphäre auf und einige Luftaufnahmen des Gebietes am Rande Kaliforniens schüren für wenige Momente eine leicht bedrohliche Stimmung.
Der Fund blutiger Stricke lässt eine überaus bösartige Entität vermuten, zumal anfangs von der Legende eines hölzernen Teufels die Rede ist. Doch stattdessen muss man sich mit überaus irrationalen Verhaltensweisen der drei Luschen begnügen, was beinahe satirische Züge annimmt, jedoch nicht wirklich erheitert. Derweil ist es um etwaige Gewalteinlagen schlecht bestellt, während jump scares an einer Hand abzuzählen sind.
Ein finaler Twist wertet das Geschehen minimal auf, er verhindert jedoch nicht das Versagen auf den wesentlichen Ebenen. Was handwerklich passabel ausfällt, einschließlich Score und Sounduntermalung, ist erzählerisch eine unspannende Angelegenheit, die zuviel Zeit mit Nichtigkeiten vergeudet und unterm Strich deutlich zu wenig Kreativität offenbart.
3 von 10