Journalisten wurden vorab gebeten, keine Details über den Inhalt dieses Films preiszugeben. Das muss einige Journalisten ungeheuer erleichtert haben, denn im Film passiert rund zweieinviertelstunden lang: nichts. Zumindest nichts, was einer nacherzählbaren Storyline oder auch nur einem Plot ähneln würde. Auch herausragende Dialoge oder stilistisch in Erinnerung bleibende Szenen sucht man vergebens.
Einen richtigen Spielfilm mit einer klassischen Geschichte hat Quentin Tarantino ohnehin seit JACKIE BROWN nicht mehr abgeliefert und spätestens seit INGLORIOUS BASTERDS inszeniert Tarantino hauptsächlich in sich geschlossene Szenen, Episoden und Genre-Kabinettstückchen, die nur notdürftig von so etwas wie einer Handlung eingerahmt werden.
Die Zielgruppe für ONCE UPON A TIME ist dementsprechend sehr klein: sie heißt Quentin Tarantino. Spielten seine Filme bislang alle im von Tarantino selbst so bezeichneten „Movie-Land“, so spielt Tarantinos Neunter nur noch im Tarantio-Universum: Von Anfang bis Ende ist der Film bis an die Oberkante vollgestopft mit Tarantinos Lieblingsfilmen auf Postern und in Kinoaushängen, mit Tarantinos Lieblings-TV-Serien (oder fiktiven Adaptionen daraus), permanent plärren Autoradios und Fernsehgeräte Werbeclips und Trailer, in sich ständig wiederholenden endlosen Autofahrten der Protagonisten werden Tarantinos Lieblingssongs abgenudelt, nahezu jeder Bildausschnitt ist mit echten oder fiktiven Marken der 60er ausgefüllt. Wenn nicht gerade nackte Frauenfüße in Großaufnahme die Sicht versperren. Und das tun sie im übrigen sehr häufig.
Man hätte die prima aufspielenden und bestens harmonierenden Brad Pitt und Leonardo DiCaprio sowie die wunderbar strahlende Margot Robbie so gerne in einem besseren Film gesehen. So aber hat man ständig den Eindruck, ein etwas schmieriger, älter werdender Herr hätte einen in seine Wohnung gelockt, um einem seine Briefmarkensammlung zu zeigen.
Hier wie dort endet es nicht gut: Warum Tarantino im Finale nach gefühlt drei Stunden beschaulich-gepflegter Langeweile plötzlich die Brutalität für 5 Minuten völlig unnötiger- und unpassenderweise auf 11 dreht und zudem noch den cineastischen Fauxpas begeht, eine seiner wenigen innovativen Ideen aus einem vergangenen Film nochmals zu kopieren, ist völlig unverständlich und eigentlich nur mit kreativem Burnout zu erklären.
So ist ONCE UPON A TIME deutlich weniger als die Summe seiner Teile, mit gutem Willen und einer Begeisterung für die 60er ein hübsches Popkultur-Panoptikum, als Film jedoch leider gründlich missraten.