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"Ich bin gleich wieder da!"

Regisseur Robert Zemeckis ("Zurück in die Zukunft"-Reihe, "Forrest Gump") präsentiert mit "Cast Away - Verschollen" ein unglaublich ergreifendes und real anmutendes Drama im Stile der Robinson Crusoe Romane.

Chuck Noland (Tom Hanks) reist für das US-Transportunternehmen FedEx rund um die Welt. Stets unter Termindruck, kommen auch seine Freundin Kelly (Helen Hunt) und das gemeinsam verbrachte Weihnachten sehr kurz. Vor einem weiteren Abflug macht Chuck Kelly einen flüchtigen Heiratsantrag und meint noch, er wäre gleich wieder da. Über dem Ozean und weit vom eigentlichen Kurs entfernt, stürzt jedoch sein Flug ab. Als einziger Überlebender findet sich Chuck auf einer einsamen Insel wieder.

Wie würde sich ein Mensch behaupten, wenn ihm von einem Moment auf den anderen alle Annehmlichkeiten der modernen Zivilisation genommen würden? Ohne fließend warmes Wasser, Elektrizität, Feuer auf Knopfdruck oder Kommunikation.
Für den Protagonisten in "Cast Away - Verschollen"  wird dieser Zustand zu einer beklemmenden Wahrheit. In ausdrucksstarken Bildern zeigt der Film nicht nur die Schönheit jener unberührten Natur, sondern auch die Herausforderungen, die sich durch sie bilden.

Nach der Vorstellung des alltäglichen Lebens und den nächsten Verwandten des Protagonisten geht das abenteuerliche Drama kurzzeitig in die Offensive. Bemerkenswert und erschreckend zugleich ist die fast schon dokumentarisch wirkende Absturz-Sequenz.
Dies bleibt aber die einzig temporeiche Sequenz, denn der Rest des Films befasst sich mit dem Überleben der Figur. Nach dem hektischen Leben mit seinen ständigen geschäftlichen Terminen, verarbeitet der Protagonist die neuen Umstände nur langsam. Erst Hunger und Durst treiben ihn zu Maßnahmen, zu den Dingen, die zuvor selbstverständlich waren. Der Lernfaktor der Figur erweist sich somit zunächst zum spannendsten Element des Films. Solange, bis eines Tages die Entscheidung zwischen der Flucht auf das offene Meer und dem einsamen Leben auf der Insel fällt.

Die subtile Bildersprache bleibt dem Film durchgehend erhalten. Erst nach eineinhalb Stunden bindet "Cast Away - Verschollen" musikalische Untermalung ein, die die Szenerie noch berührender macht.

Tom Hanks ("Captain Phillips", "Cloud Atlas", "The Green Mile") obliegt nicht nur die fordernde Aufgabe, über die Hälfte des Films allein vor der Kamera zu agieren. Ebenso musste er in einer beinahe ein Jahr dauernden Drehpause auch eine körperliche Veränderung durchmachen, um die lange Zeit auf der Insel sicht- und spürbar werden zu lassen. Der mimische Kraftakt ist dabei enorm beeindruckend. In ihrer undankbaren Rolle agiert Helen Hunt ("Bobby", "Was Frauen wollen") zwar routiniert, doch gelingt es ihr nicht während ihrer kurzen Präsenz Akzente zu setzen.

"Cast Away - Verschollen" ist ein ruhiger, aber sehr intensiver Film, der Elemente aus Abenteuer und Drama gekonnt miteinander verschmelzen lässt. Bis auf den technisch exzellent umgesetzten Flugzeugabsturz wird zwar kaum Action geboten, dafür ist der Film aber spätestens ab diesem Zeitpunkt so unglaublich spannend, dass die knapp zweieinhalb Stunden Laufzeit wie im sprichwörtlichen Fluge vergehen. Nur gegen Ende kommen ein paar Längen auf, die aber nicht ins Gewicht fallen.

10 / 10

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