Der kubanische Staatspräsident Fidel Castro feiert in diesem Jahr (2006) seinen 80. Geburtstag. Im Jahre 2003 ergriff der amerikanische Filmregisseur Oliver Stone die Gelegenheit, Castro zu interviewen. Der Diktator widmete Stone 3 Tage und 3 Nächte, insgesamt 30 Stunden. Man sprach über Banales und weniger Banales. Stone wollte wissen, ob Castro den Film "Titanic" gesehen hat. Oder ob er sich schon einmal einem Psychiater anvertraut hätte. Er sollte sich zu seinen Frauengeschichten äußern. War er jemals verliebt? Wer erwartet, Stone hätte ein politisches Interview geführt, hat weit gefehlt. Herausgekommen ist ein nettes Portrait über den lieben Opa Fidel. Wie er lebt und arbeitet, ob er an Gott glaubt und was er gerne isst. Wie er über seine Familie denkt und über sein Volk. Mein Gott, Stone! Wie kann man nur eine solche Gelegenheit verschenken? Frag ihn doch nach Kennedy! Und reiß das Thema nicht nur vorsichtig an. Bleib dran, frag weiter. Was ist tatsächlich - aus seiner Sicht - damals in der Schweinebucht abgelaufen. Lock ihn doch mal aus der Reserve! Wie äußert er sich dazu, dass viele Gruppierungen ihn heute noch für einen der Mitwisser oder sogar Auftraggeber im Mordfall JFK halten? Was ist das für ein Interview? Unglaublich, dass es sich bei Stone um einen Mann handelt, der mit seinen Arbeiten wie "JFK" oder "Platoon" oder "Geboren am 4. Juli" eine ganze Nation wachrütteln wollte. Und dann dieses handzahme Geplänkel? Tritt ihm bloß nicht auf die Füße. Stell ihm keine Fragen, die ihn verärgern könnten. Am Ende des Beitrags ist man so schlau wie vorher: Wer ist dieser Castro eigentlich? Ein Diktator oder ein Volksheld? Ein Mann der nur arbeitet und selten Zeit für die Familie hat (wer hat das nicht?) Ein nettes Portrait für die ganze Familie hat Stone da gedreht. Strikt nach dem Motto: wer keine Fragen stellt, muss auch mit den Antworten nicht leben. Von Stone hätte ich nun wirklich was anderes erwartet! Ich habe mich selten über eine Doku so geärgert.