Review

Mysterien und Geheimnisse in familiärer Vergangenheit bilden eine brauchbare Grundlage für Düsterfilme. Allerdings konnte sich der spanische Regisseur und Co-Autor Denis Rovira van Boekholt nicht so recht zwischen Familiendrama und Horror mit Teufelskind entscheiden.

Krankenschwester Alicia (Manuela Vellés) kehrt mit Mann Mikel (Alain Hernández) und Tochter Nora (Claudia Placer) eher widerwillig an den Ort ihrer Kindheit zurück.
Ihre Mutter liegt seit einem Monat im Koma und wird daheim von ihrer Schwester Sara (Maggie Civantos) gepflegt. Offenbar entwickelt Tochter Nora rasch eine geistige Verbindung zu der Komapatientin, woraufhin sich ihre Persönlichkeit zu verändern scheint…

Das Grundgerüst der Story ist rasch etabliert: Die nunmehr todkranke Mutter schien sich früher mit Alchemie befasst zu haben, die beiden Schwestern verbindet eine unschöne Kindheit, während Nora offenbar telepathischen Kontakt zur Oma aufbaut und schon bald unter ihren psychischen Pantoffeln steht.
Van Boekholt lässt es dabei gemächlich angehen. Zwar lässt er sich angemessen Zeit, die Figuren und ihre Beziehungen zueinander zu etablieren, doch bis endlich einige Elemente des Horrors angerissen werden, vergeht deutlich zuviel Zeit.

Diesbezüglich kommt der Stoff kaum über gängigen Spuk hinaus: Mal bewegt sich das Rad einer Nähmaschine, dann herrschen für einen Moment poltergeistähnliche Zustände und im Verlauf ist es vermehrt Nora, die mithilfe einer auftauchenden Freundin für Boshaftigkeiten sorgt. Und für einige blutige Einlagen, denn immerhin wird ein Gesicht zertrümmert, jemand blutig geschlagen und Finger werden unsanft bearbeitet.

Eine leicht geballte Ladung kommt erst zum Finale zustande, als bereits alle Geheimnisse gelüftet sind und kurze Flashbacks untermalen, was zuvor nur angedeutet wurde. Einen kleinen Twist kann man zwar mitnehmen, doch die wesentlichen Punkte erschließen sich bereits frühzeitig, was allenfalls zu einem Mittelmaß an Suspense heranreicht.

Auf darstellerischer Ebene ist primär Claudia Placer zu erwähnen, die eine liebreizende Tochter ebenso glaubhaft verkörpert wie den durchtriebenen Satansbraten. Auf ihr Konto gehen zumindest einige atmosphärisch unheilvolle Momente. Alain Hernández performt als Vater solide, während Manuela Vellés als Mutter überwiegend glaubhaft agiert, in einigen Momenten jedoch deutlich drüber performt.

Das verhaltene Erzähltempo und der Mangel an kreativen Spitzen lassen zuweilen deutliche Längen erscheinen, es fehlen markante Momente und mitreißende Konfrontationen, zumal die Verarbeitung eines Kindheitstraumas zeitweilig stärker wiegt als die aktuelle Bedrohung.
Am Ende bleibt nur durchschnittliche Genrekost.
5 von 10

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