Review
von Leimbacher-Mario
Einflussreiche Persönlichkeit
„Auf Netflix gibt es nur Durchschnitt und Mist, gerade in Sachen Horror.“ Stimmt nicht, ist ziemlicher Blödsinn, was ein „The Ritual“ oder „The Perfection“ eindrucksvoll belegen. Man muss sich eben nur auskennen. Ansonsten bleibt man bei sowas wie „La Influencia“ hängen, einem seelenlosen spanischen Hexengrusler, und kommt wieder schnell zur frustrierten obigen Aussage. Oder man ist dem spanischen Genrefilm sehr zugeneigt wie ich oder ist ein Horrorallesgucker, ebenso wie ich. Dann kann man sich „La Influencia“ auch geben, obwohl man weiß, dass einem hier wohl eher kein Hit bevorsteht. Dann findet man beim großen N bestimmt sogar viele noch schlimmere Machwerke. Zu einem guten Film macht das diesen Möchtegernschocker von der iberischen Halbinsel dennoch zu keinem Zeitpunkt.
Die Geschichte handelt von einer zerrütteten Familie, die durch den nahenden Tod der Mutter/Oma in ihrem Haus zusammenkommt. Blöd nur, dass die auf dem Dachboden im Bett dahinvegetierende Dame des Hauses eine alte Hexe war und es ihren Kindern schon früher alles andere als leicht gemacht hat... Ein schweres Erbe haben hier allerdings nicht nur die Familienangehörigen, vor allem die zwei Schwestern zu tragen, dies hat vor allem der Zuschauer. Die starke Farbwahl, mit kräftigen Rottönen hat es mir da noch mit am meisten angetan, sogar etwas an Argentos „Suspiria“ erinnert. Und es gab eine böse Fußnagel-Szene und eine sehr elegant gemachte „Erscheinung“ ziemlich zu Beginn im Hintergrund, ganz ohne lautes Geräusch und JumpScare. Doch sowohl von Schocks als auch von Ekel oder Gänsehaut gibt es über die (zu langen!) 100 Minuten einfach zu wenig. Gefühlt wiederholt sich eine Menge; die eigentlich positiv besetzten Figuren, in die und deren Beziehungen untereinander auch ordentlich Zeit investiert wird, bleiben einem dennoch fremd und seltsam fern, egal; aus seinen netten Möglichkeiten und Settings wird viel zu wenig gemacht. Das auf drei Meilen zu riechende Ende, ein paar miserable Jungdarstellerinnen und erschreckend wenig Kreativität ziehen die Wertung nur noch weiter in den Keller. Kein Bodensatz, aber seine Zeit ehrlich und streng gesagt auch nicht wirklich wert.
Fazit: spanische Einschlaftablette. Eine Mischung aus „Livid“ und „Hereditary“ in öde und belanglos. Ein Netflix-Mitschwimmer und ziemliche Zeitverschwendung meiner Meinung nach. Trotz ein paar ekligen Schocks und einem dann doch noch etwas aufdrehenden Finale. Bis dahin ist man aber leider dreimal eingedöst und bereut dies auch nicht.