Sie hatten keine leichte Kindheit, die beiden Schwestern Alicia (Manuela Vellés) und Sara (Maggie Civantos) - nun aber liegt ihre einst dominant-bösartige Mutter Victoria allein in ihrem großen Haus im Sterben - seit einem Monat nur noch von einer Art Herz-Lungen-Maschine am Leben erhalten. Während die alleinstehende Sara bereits seit einiger Zeit vor Ort ist, zieht Alicias kleine Familie eher widerwillig ebenfalls dort ein: Ehemann Mikel will sich in der Hafenstadt als Elektriker verdingen und Töchterchen Nora (Claudia Placer) kommt in eine neue Grundschulklasse. Während die komatöse Mutter scheinbar teilnahmslos an den Schläuchen im obersten Stockwerk hängt, finden die Töchter im Haus diverse Utensilien und Accessoires, die darauf hindeuten, daß Victoria als Hexe schwarze Magie praktiziert hat. Kurz danach kommt der Testamentsvollstrecker und eröffnet den Schwestern und wenigen weiteren Hinterbliebenen, daß Victoria - für alle überraschend - die kleine Nora als Alleinerbin eingesetzt hat. Während niemand der Anwesenden diese Entscheidung nachvollziehen kann, verändert sich langsam das Verhalten der kaum zehnjährigen Grundschülerin: Nachdem sie die Bekanntschaft des etwa gleichaltrigen geheimnisvollen Strassenkindes Luna gemacht hat, hält sie sich nicht mehr an elterliche Anweisungen, schlägt ein anderes Kind in der Schule blutig und spielt ihre Eltern mittels Lügen gegeneinander aus. Es scheint, als sei der böse Geist der sterbenden Victoria in die Kleine gefahren...
Die Netflix-Produktion La influencia variiert mal wieder ein bekanntes Thema: Unheimliches altes Haus, Besitzer liegt im Sterben, unheilvolle Vergangenheit und geisterhafte Erscheinungen, die die Anwesenden beeinflussen. In den ersten 20 - 30 Minuten gelingt es dem Film durchaus, eine ordentliche Spukhaus-Atmosphäre aufzubauen, dann aber verzettelt sich das Drehbuch in viel zu vielen Begebenheiten, die entweder unwichtig sind oder aber nicht konsequent weitergeführt werden - die Geschichte tritt auf der Stelle. Vergeblich hofft man auf ein folgerichtiges Verhalten der Akteure, welches aber unterbleibt: So dauert es quälend lange, bis die Eltern endlich merken, daß mit ihrer kleinen Tochter, die nach der Testamentseröffnung zunehmend in den Fokus rückt, etwas nicht stimmt. Aber auch dann erfolgt keine adäquate Reaktion - stattdessen tun sich einige Logiklöcher auf, und da das Drehbuch bezüglich Gruselmomenten nicht über ein begrenztes Standard-Repertoire hinauskommt (Türenklappern, Sturm im Zimmer, von selbst anlaufende Nähmaschine etc.) schleppt sich die Geschichte spätestens ab der Hälfte des Films nur noch zäh weiter. Dadurch, daß der kleinen Nora ihre Bösartigkeiten alle gelingen, flacht auch die - ohnehin niedrige - Spannungskurve ab, da das Ende vorhersehbar ist.
Bezüglich der Schauspieler fällt keiner besonders auf, Kinderdarstellerin Claudia Placer ist ob ihrer wirklich unliebenswürdigen Physiognomie eigentlich gut gecastet für die Rolle als Satansbraten, passt dadurch aber wiederum nicht zu den eher gutaussehenden Eltern. Das geringe Budget merkt man dem Film u.a. auch in den wenigen blutigen Momenten an, die mehr schlecht als recht getrickst sind (wie z.B. der erschlagene Hund). Weiters sind zu wenige Akteure an der Sache beteiligt, so gibt es keine Freunde, Nachbarn, Arbeitskollegen und auch Polizisten, Ärzte oder Geistliche, die der Geschichte mehr Raum/Tiefe gegeben hätten, sucht man vergeblich. Bezüglich der Logiklöcher sei jene Szene erwähnt, in der sich eine erwachsene Person auf Befehl zweier Kinder(!) in ihrem eigenen Garten widerspruchslos ein tiefes Loch gräbt, offenbar ohne zu ahnen daß dies gleich ihr eigenes Grab werden wird...
Nett ist immerhin der Einfall mit den Spinnen-Medaillons, in dessen aufklappbaren Körpern sich jeweils bestimmte Gegenstände befinden; auch daß La influencia seine Geschichte zumindest zu Ende erzählt und eine (wenngleich eher schwache, in der optischen Darstellung geradezu erbärmliche) Begründung dafür liefert, warum die kleine Nora ausgesucht wurde, kann noch auf der Habenseite verbucht werden. Insgesamt jedoch ein bestenfalls durchschnittlicher Mystery-Streifen mit erheblichen Längen, der auf zwei Drittel oder mehr gekürzt als Tales from the Crypt-Episode o.ä. besser funktionieren würde. 3,6 Punkte.