Review

Staffel 1


Farbenfrohe Frauenpower

Viele haben „Tuca & Bertie“ nur als weitere Animationsserie mit Tieren abgestempelt, als „Bojack Horseman“-light oder „für Frauen“, als zu vernachlässigendes Netflix-Eigengewächs. Aber falscher könnte man damit gar nicht liegen. Denn die Serie ist komplett eigenständig, anders als alle Vergleichsprodukte und Konkurrenz, absolut zu empfehlen. Und es ist eine Schande, dass Netflix hier mal wieder zu schnell  den Stecker gezogen hat. Erst recht wenn man bedenkt, dass auch Bojack Anlaufschwierigkeiten hatte und erst im Laufe seiner Jahre zum Aushängeschild und einer der besten Serien des Streamimggiganten wurde. Bei „Tuca & Bertie“ wäre das sicher nicht anders gelaufen. Naja, hat sich erledigt, nun bleiben uns diese zehn amüsanten Folgen über zwei ungleiche Vogeldamen Mitte dreißig, beste Freundinnen und Nachbarinnen, die versuchen ihre Freundschaft und ihre Leben über Wasser und in geregelten Bahnen zu halten. 

Was mich besonders an dieser quirligen Show fasziniert hat und warum ich gerne noch mehr aus dieser bunten Welt gesehen hätte? Tada: 

+ eine tolle Freundschaft mit zwei starken, interessanten und vielseitigen Frauen und Persönlichkeiten im Mittelpunkt
+ ein äußerst surrealer, fast trippiger Style
+ könnte auch in der Bojack-Welt spielen - tut es aber nicht (soweit ich weiß)
+ gegen Ende der Staffel werden richtig tiefe, dunkle Themen angeschnitten, die noch mehr Lust auf mehr gemacht hätten
+ cooler, fast etwas elektrischer Sound
+ Ohrwurm-Intro
+ visuell ein Rausch und immer wieder mit Überraschungen im Gepäck (allein beim Animationsstil)
+ nimmt kein Blatt vor den Mund, geht sehr offen und freizügig mit Sexualität um
+ Tiffany Haddish dreht voll auf (was natürlich auch mal nerven kann) 
+ top Synchronsprecher insgesamt
+ femininer Blickwinkel meist ohne etwas aufzudrängen oder gar predigend oder plakativ zu sein
+ sehr kurzweilig, sehr einfach zu gucken
+ Sex Bugs!!!
+ stellt clever einige männliche Verhaltensweisen bloß, ohne einseitig zu sein oder an den Pranger zu stellen
+ die Freundschaft zwischen Tuca & Bertie fühlt sich wirklich echt an
+ viele bizarre Nebenfiguren
+ leckeres und lustiges Gebäck
 
Gründe, warum die Show auf Netflix wohl zu wenige Zuschauer hatte bzw. nicht bei allen so gut ankam wie bei mir? Zu große Ähnlichkeit (an der Oberfläche) mit Bojack; zu wenig Männer als Zuschauer auf Grund des Blickwinkels; zu überdreht und zu „whacky“; zu wenig durchgehende Storyline; viel zu viel Auswahl auf Netflix, da gehen einige Perlen leider leicht unter; Netflix ging Serien mittlerweile viel zu wenig Zeit zum Erblühen. 

Fazit: eine unterschätze, fantastische und ziemlich durchgeknallte Show voller sprudelnder Kreativität und neuen Blickwinkeln, süßen Figuren und surrealen Visuals, mutigen Wahrheiten und aktuellen Themen, Witz und Esprit. Bojack auf Badesalz. Die Absetzung durch Netflix nach dieser ersten Staffel ist eine wirklich miserable, vorschnelle und dumme Entscheidung. Traurig. Und vielleicht sogar auch ein Faktor, warum die Macher nun sogar etwas früher als gedacht Bojack enden lassen... (8/10)

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